Der Gender Pay Gap

Thema heute: Der verzweifelte Versuch von Spiegel-Online, den Gender Pay Gap als Geschlechterdiskriminierung zu verkaufen. Alternativtitel: Wie argumentiere ich möglichst emotional und substanzlos gegen wissenschaftliche Studien. Besprechung des Artikels wieder im Videoformat. Zweiter Teil des Videos folgt in Kürze. Viel Spaß!

Advertisements

„Gewalt: Es ist kein Weißer“

Margarete Stokowski. Das Lesen dieses Namens löst in meinem Kopf normalerweise eine Kaskade immer stärker werdender Schmerzen aus, die ich nur wieder los werde, wenn ich die, dem Namen nachfolgenden, geistigen Ergüsse einfach so gut wie möglich ignoriere.

Gestern jedoch, war alles anders. Vor meinem geistigen Auge spielte sich eine Szene aus einem Paralleluniversum ab. Ein Universum, in dem das kollektive Beschuldigen einer demographischen Gruppe völlig in Ordnung war. In dem Menschen für Körpermerkmale, über die sie keinerlei Kontrolle haben, angeklagt und in einen Topf mit Vergewaltigern, Mördern und Kinderschändern geworfen werden können. Einfach so. In diesem Paralleluniversum machte ich wie gewohnt die Webseite von Spiegel-Online auf und musste Folgendes lesen:

Kommt es zu einer Gewalttat, fragen wir nach der Geschichte des Täters, nach seinem Geschlecht, nach seiner Ideologie und seiner Motivation. Nach der Hautfarbe zu fragen, haben wir uns abgewöhnt. Warum?

Wenn wir von einer Schwangerschaft erfahren, stellen wir oft zwei Fragen: Wann ist es so weit? Und: Weiß man schon, was es wird? Wenn wir von Schlägereien, Massenmord, Vergewaltigung oder Mord hören, fragen wir nicht mehr: Weiß man schon die Hautfarbe? Wir gehen davon aus, dass es nicht-hellhäutige Personen waren.

[…]

Der Schauspieler Wendell Pierce, bekannt aus „The Wire“, wurde aufgrund mutmaßlicher Körperverletzung in Gewahrsam genommen. Mehr als 50 Frauen, unter ihnen eine Vielzahl hellhäutig, werfen dem Comedian und Schauspieler Bill Cosby sexuellen Missbrauch vor. Ein dunkelhäutiger Mann aus dem US-Bundestaat Georgia erschoss skrupellos mehrere seiner Familienmitglieder. Sogar die Gewalt unter schwarzen Teenagern ist weit verbreitet: Im April wurden einer 16-jährigen von mehreren Mitschülerinnen so starke Verletzungen zugefügt, dass sie kurz darauf in einem Krankenhaus verstarb.

In Italien wurde erst vor kurzem ein hochrangiger Menschenhändler mit dunkler Hautfarbe festgenommen. Black Lives Matter-Aktivisten rufen immer wieder offen zu Unruhen und Gewalt auf, die dann in entsprechenden Taten resultieren. Die Gang-Kriminalität macht auch nicht vor neunjährigen Kleinkindern halt. Und auch das Massaker in Orlando, welches mit 50 Toten und mehr als 50 Verletzten endete, wurde von einem nicht-hellhäutigen Mann mit Abstammung aus Afghanistan durchgeführt.

[…]

Wir reden nicht über Hautfarbe oder Herkunft, obwohl wir umgeben sind von Gewalt, die von nicht-hellhäutigen Menschen ausgeht. In den USA erfasste das FBI 2015 jeden Tag rund 13 Vergewaltigungen von Schwarzen bzw. Afroamerikanern, und das sind nur die Fälle, die bei der Polizei angezeigt wurden, die Dunkelziffer ist wesentlich höher. Insgesamt waren unter den Verdächtigten im Bereich Sexualstraftaten 24,3% Afroamerikaner, obwohl diese nur 12,6% der Gesamtbevölkerung in den USA ausmachen. Laut den Verbrechensstatistiken des FBI sind eine Vielzahl an Verstößen gegen das Gesetz in der nicht-weißen Bevölkerung der USA überproportional vertreten.

[…]

Immer sind es die Weißen, die ihr Verhalten anpassen sollen

Im Englischen gibt es den Begriff der „toxic blackness“, also einer Lebensweise, die auf Dominanz und Gewalt basiert und Gefühle nicht zulässt. Dazu gehört auch die Vorstellung einer gigantischen Ladung sexueller Triebhaftigkeit, die nur mit Mühe in zivilisierten Bahnen gehalten werden kann. Es ist ein Problem, wenn Afroamerikanern immer wieder erzählt wird, dass ein „richtiger Schwarzer“ nicht weine, eine ausschweifende und geradezu animalische Sexualität habe und alles, was sich ihm in den Weg stellt, eigenhändig beiseite räumen müsse – ein Problem für Weiße und Schwarze.

[…]

Wir halten es für eine verdammte Selbstverständlichkeit, dass ein Weißer in der Dämmerung nicht mehr im Wald joggen gehen sollte. Ein Weißer. Immer sind es die Weißen, die ihr Verhalten anpassen sollen. Vielen Schwarzen ist nicht klar, wie sehr Weiße die Angst und den Schutz vor Gewalt in ihren Alltag integrieren. Wie sehr wir ein Klima von Bedrohung für normal halten. Wie oft wir ein Taxi nehmen, um nach Hause zu kommen, nicht aus Bequemlichkeit, sondern um sicher nach Hause zu kommen. Wenn wir das Geld haben.

Selbst Schwarze, die sich für komplett harmlos halten, können etwas dafür tun, dieses Klima der Angst zu ändern. Wenn Sie zum Beispiel abends auf der Straße allein hinter einem Weißen laufen und dieser Ihre Schritte hört, oder wenn Sie ihm entgegenkommen, wechseln Sie doch die Straßenseite. Sie ahnen nicht, wie erleichternd das sein kann.

Was sollte mir dieser rassistische Artikel aus dem Paralleluniversum nun sagen?

Genau. Dass es vollkommen absurd wäre, alle Mitglieder einer demographischen Gruppe kollektiv an den Pranger zu stellen, nur weil andere Menschen aus dieser Gruppe, mit denen sie zufälligerweise die gleiche Hautfarbe oder die gleiche Herkunft teilen, der statistischen Wahrscheinlichkeit nach häufiger Verbrechen begehen. Genauso wenig Sinn würde es ergeben, den Grund für diesen Befund an einer angeblichen intrinsischen Eigenschaft dieser Gruppe festzumachen; sei es vermeintlich „von Natur aus“ oder anerzogen. Weiterhin sollten die irrationalen Ängste der einen Gruppe, nicht als legitime Begründung für eine erwartete/geforderte Verhaltensanpassung der anderen Gruppe anerkannt werden. Vor allem dann nicht, wenn die Statistiken gegen diese irrationalen Ängste sprechen und besagte Gruppe sogar sicherer ist, als jede andere.

Aber zum Glück lebe ich ja nicht in diesem Paralleluniversum. Stattdessen darf ich mir dann ansehen, wie sich Frau Stokowski mit den gleichen Fehlschlüssen und der gleichen Hetze, nicht an der Hautfarbe, sondern an den Genitalien abarbeitet. Yay!

Quickie (1): Sibylle Berg / In eigener Sache

Sibylle Berg, Margarete Stokowskis große Schwester im Geiste, beschwert sich in ihrer wöchentlichen Kolumne über das Wegfallen von Feindbildern. Aufhänger dafür ist für sie der Umstand, dass sich jetzt sogar schon die BILD-Zeitung für Flüchtlinge einsetzt und man deshalb eigentlich gar nichts mehr hat, was man so richtig und aus tiefstem Herzen hassen kann. Dieser kurze Text, voll mit unnötigen Hyperbeln, hat aber doch eine interessante Aussage zu bieten:

Da waren immer die guten Zeitungen, „Süddeutsche“ und „FAZ“ und der SPIEGEL, mit ihren durchwechselnde Chefs, immer männlich, bedingten Qualitätsschwankungen, und dann waren da Sachen wie eben „Bild“. Die jetzt lustigerweise eine Chefin hat. Aber auch hier lerne ich langsam, dass es nichts hilft, dauernd zu jammern, dass es so wenige Frauen in Führungspositionen gibt, denn leider scheuen viele die Überstunden, die Angreifbarkeit, ja den Hass, dem man an der Spitze jeder Unternehmung ausgesetzt ist.

Ist das jetzt ein Zeichen für eine zweite geistige Pubertät bei Frau Berg? Bröckelt jetzt doch so langsam die ideologische Fassade? Wirkt die permanente Selbstimpfung des ewig gleichen Mantras nicht mehr?

Man kann nur hoffen.


Nur kurz in eigener Sache: Ich möchte gerne noch nachträglich meinen herzlichen Dank an Arne Hoffmann ausrichten, der mich netterweise in seinem Blog „Genderama“ verlinkt hatte. Dazu muss ich noch sagen, dass für mich sein Buch „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ der Stein des Anstoßes war, selbst online aktiv zu werden und meiner Stimme Gehör zu verschaffen. Daher eine klare Buchempfehlung von mir!

So, genug vom shilling: Ich freue mich sehr über die Willkommensgrüße und hoffe auf einen ergiebigen Diskurs!

Feminismus und die Nichtigkeiten

Das 21. Jahrhundert. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist erreicht, die Vernunft hat gesiegt, die letzten Überreste der alten, bigotten Weltordnung werden erbittert gejagt. Überraschenderweise haben scheinbar einige der „sozialen Gerechtigkeitskrieger“ (vgl. social justice warrior, SJW) das Memo über diesen Sieg nicht bekommen. Anders lässt es sich zumindest nicht erklären, warum weiterhin ein Kampf ohne ersichtlichen Feind geführt wird.

Kommen wir also zu Margarete Stokowski, die, neben Liebesbriefen an kanadische Premierminister, einmal wöchentlich ihre oftmals grammatikalisch etwas konfus verfassten Gedanken über allerlei „popkulturelle“ Ereignisse bei Spiegel-Online veröffentlichen darf. Großartig, was sich da lesen lässt:

Es ist 2016 und man könnte denken, Frauen könnten völlig normal vor sich hin leben. Mitnichten! Immer noch werden sie ständig beurteilt – dafür, wie sie reden, rumstehen oder rumtun.

Obwohl die Erwartungen an diese Kolumne bereits jetzt schon in astronomische Höhen schießen, so wird man doch im Anschluss an diese einleitenden Worte bitter enttäuscht: Eine britische Pop-Sängerin hat kurzfristig die Contenance verloren, eine US-amerikanische Wettermoderatorin soll sich vor laufender Kamera eine Jacke überziehen, eine Sportjournalistin wehrt sich gegen die Verbreitung eines peinlichen Fotos, Laurie Penny popelt live auf der Bühne und bei laufender Kamera in der Nase und eine Autorin fühlt sich angegriffen, weil in einem Artikel der Welt auf ihre „nichtnormative“ Körperform Bezug genommen wird. So weit, so gähn.

Jetzt könnte man meinen, dass alle diese tragischen Fälle, bei denen jeweils einer Einzelperson Unrecht (im allerweitesten Sinne des Wortes) getan wurde, nicht weiter erwähnenswert sind und schon gar nicht als Nachweis für eine vermeintliche Diskriminierung einer mehrheitlichen Bevölkerungsgruppe herangezogen werden. Falsch gedacht! Denn wie bereits in der Einleitung erwähnt, befinden wir uns im 21. Jahrhundert. Den meisten selbsternannten FeministInnen fehlen die Drachen zum Erschlagen. Die eigene Existenzberechtigung muss aber dennoch aufrechterhalten werden und so wird ununterbrochen nach Nichtigkeiten gegraben und gebohrt. Und so lässt sich jede noch so geringe Kleinigkeit in einem Artikel verwursten, aufblähen und mit einem inflammatorischen Schreibstil verbinden, um die Klickzahlen in die Höhe zu treiben. Ob die Klicks von Befürwortern oder lautstarken Gegnern kommen ist in jedem Fall egal, Werbegeld stinkt nicht.

Jetzt könnte man mit dieser oberflächlichen Betrachtung enden und sich wieder relevanteren Dingen des Lebens widmen. Verübeln würde ich es niemanden. Jedoch lässt das Beispiel von Frau Stokowskis Kolumne eine interessante Betrachtung der Metaebene zu. Denn was einem hier argumentativ präsentiert wird, ist nicht anderes als eine Variante des Fehlschlusses aus anekdotischer Evidenz. Die Logik dahinter ist so einfach, wie sie falsch ist: Hier sind ein paar isolierte Beispiele von Ungerechtigkeiten gegen Einzelpersonen die zufälligerweise dem gleichen Geschlecht zuzordnen sind. Die Schlussfolgerung daraus ist eine allgemeine Diskriminierung der Gesamtheit dieses Geschlechts. Das hier jedoch kein kausaler Zusammenhang vorliegen muss, geschweige denn von der Autorin nachgewiesen wird, scheint keine Relevanz zu haben. Es zählt nur die Narration, nicht die Empirie.

Wenn man noch einen Schritt weitergeht, fällt ein weiterer argumentativer Fehlschluss auf. Das „Rosinenpicken“ (vgl. cherry picking) ist eine gern genutzte Taktik, um die eigene Position vermeintlich zu stärken. Es lässt sich nahezu immer der Eindruck eines Kausalzusammenhangs konstruieren, wenn nur die Daten richtig auswählt werden. Dass sich aber vermutlich im gleichen Zeitraum, in der die von Frau Stokowskis genannten Ereignisse vorgefallen sind, genauso viele Beispiele von männlichen Personen finden lassen denen vergleichbares Unrecht getan wurde, würde die Narration bröckeln lassen.

Dies sind nur zwei von den immer wieder auftauchenden logical fallacies, die sich vor allem in der Geschlechterdebatte finden lassen und allzu oft unangefochten im Raum stehen bleiben. Wird diese Form der Narration nur oft genug wiederholt, so brennt sie sich ins Gedächtnis ein. Denn was so oft wiederholt und von so vielen Leuten gesagt und geschrieben wird, kann ja nicht falsch sein. Oder doch?