Lu labert – Feminismus als Seifenoper

Bekanntermaßen ist die deutsche Youtubelandschaft bereits seit längerer Zeit von nicht deklarierten Sponsorschaften und Werbeverträgen durchsetzt. Dass aber gleich ein ganzer Youtube-Kanal nur als Fassade für die missionarischen Bestrebungen einer Nichtregierungsorganisation namens PinkStinks fungiert, dürfte die gesamte Problematik auf die nächste, höhere Ebene transportiert haben.

In diesem Video befasse ich mit dem Kanal Lu Likes, der Schauspielerin „Lu“ und den Initiatoren bei PinkStinks. Viel Spaß!

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Feminismus und Zensur: Eine unheilige Allianz

Netzfeminismus ist ja in vielen Fällen eher inkompetent als qualifiziert. Eher plump als raffiniert. Eher amüsant als gefährlich.

Dieses Bild ändert sich aber in jenem Moment, in dem sich die Interessen und Ziele des Feminismus und der von Regierungsorganisationen überschneiden. Dieser Artikel aus der TAZ mit dem Titel „Das Internet zurückerobern“ zeichnet ein erschreckendes Abbild von genau dieser unheiligen Allianz.

So wie ihr geht es vielen Frauen, die regelmäßig das Internet nutzen. Das Phänomen hat unterschiedliche Namen – Hasskommentare, Hate Speech oder Cybersexismus – und es ist ein großes Problem. Netzfeministinnen machen seit Jahren darauf aufmerksam. Endlich scheint sich etwas zu tun: Diese Woche einigten sich die EU und wichtige Online-Netzwerke auf ein gemeinsames Vorgehen gegen Hasskommentare.

Sind wir also wieder an diesem Punkt. Der nächste Zensurvorstoß, vorangetrieben von Personen wie Anne Wizorek und anderen, selbsternannten NetzfeministInnen. Dass diesen jedes Mittel Recht ist, um die Deutungshoheit in den von ihnen geführten Debatten zu behalten, ist ja bereits hinlänglich bekannt. Und auch die europäischen Regierungsorgane würden sich jederzeit einen Arm ausreißen, um endlich eine legitime Möglichkeit zur Entfernung von unerwünschten Meinungsäußerungen in der anderen Hand zu halten. Dieser neue EU-Beschluss ist scheinbar genau das, worauf beide Lager gewartet und hingearbeitet haben. Unter diesem werden Firmen und deren große soziale Netzwerke, wie Facebook, Twitter und Youtube, dazu verpflichtet „illegale Hassäußerungen“ innerhalb von 24 Stunden zu erkennen und zu entfernen. Gleichzeitig sollen „positive Gegenerzählungen gezielt gefördert werden“. Letztendlich soll hier also von der europäischen Regierungsebene aus auf den öffentlichen Diskurs Einfluss genommen werden. Wie das dann am Ende konkret aussieht und welche „Erzählungen“ unter die Entfernung bzw. Förderung fallen, bleibt unklar. Vermutlich bewusst.

Kraut and Tea weist in einem seiner Videos daraufhin, dass der Begriff „Hate Speech“ in den nationalen Rechtsordnungen der Mitgliedsstaaten der EU nicht unterschiedlicher und unschärfer formuliert sein könnte. Diese Initiative der EU würde an diesem Umstand mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts ändern. Ganz im Gegenteil, man würde nationale „Hate Speech“-Gesetze aushebeln, wenn diese weniger strikte Rahmen setzen. Dieser Beschluss könnte also ein probates Mittel darstellen, um eine Vielzahl an „unerwünschten“ Meinungsäußerungen völlig legal aus den öffentlichen Debatten zu entfernen.

Als besonders interessant stellen sich natürlich die Begründungen für eine solche EU-weite Maßnahme heraus:

Wie real dieser Hass ist, zeigen nicht nur individuelle Erfahrungen, sondern auch diverse Studien. Der britische Thinktank Demos filterte drei Wochen lang Tweets nach den Worten „slut“ oder „whore“. Weltweit wurden in diesem Zeitraum 80.000 Nutzer_innen mit 200.000 solcher Tweets beleidigt. Auch der Guardian beschäftigte sich mit Hate Speech, und zwar auf der eigenen Webseite. Das Ergebnis: Obwohl die Mehrheit der Journalist_innen männlich ist, befinden sich unter den zehn am häufigsten beleidigten Autor_innen acht Frauen und zwei schwarze Männer.

Ich bin immer wieder beeindruckt, mit welcher Vehemenz bestimmte mediale Vertreter ihre Agenda vorantreiben und sich dabei einen Dreck darum scheren, wie offensichtlich verbogen die eigene Narration doch ist. Vielleicht haben wir aber auch inzwischen ein Stadium erreicht, in dem die blanke Grobschlächtigkeit schon wieder als perfide angesehen werden muss.

Denn dass die Befunde der Demos-Studie aufzeigen, dass die Mehrheit der aggressiven Tweets mit besagtem Inhalt von Frauen verschickt wurden, wird hier natürlich nicht erwähnt. Wenn das Geschlechterverhältnis zwischen „Täter“ und „Opfer“ jedoch wieder mit der Narration konform geht – wie im Fall der „Studie“ des Guardian – dann weist man mit Nachdruck darauf hin. Achja, und da waren ja noch die Ergebnisse des PewResearchCenter über online harassment, die man hier unerklärlicherweise auch nicht aufführt. So sieht Cybersexismus also im Jahr 2016 aus.

Aber auch Frau Wizorek scheut sich nicht eine gute Portion kognitiver Dissonanz zur Schau zu stellen:

Wenn ich daran denke, wie unbeschwert ich noch vor ein paar Jahren im Netz unterwegs war und was ich dort gepostet habe, dann bin ich immer überrascht, wie leichtfüßig ich unterwegs war. Das ist heute nicht mehr so“, sagt Wizorek auch über sich selbst. „Es entsteht eine Schere im Kopf.“

Natürlich. In einer Gesellschaft, in der die freie Meinungsäußerung noch in weiten Teilen ungehindert ausgeübt werden kann, muss man eine Selbstzensur vornehmen, weil einem sonst „Hass“ entgegenschwappt. Kleiner Tipp: Vielleicht sollte man die Definitionen von „Hass“ und „Kritik“ noch einmal nachschlagen und anschließend den eigenen Standpunkt neu evaluieren.

Im Grunde wissen wir aber alle: Das wird nicht geschehen. Stattdessen wird ein staatlicher Zensurapparat gefordert, der uns den Safe Space ermöglicht, den wir uns alle schon so lange wünschen. Denn die naheliegendste Lösung – die Option zur selbst bestimmten Handlung – ist heute nicht mehr „zeitgemäß“:

„Wenn Frauen oder andere Gruppen in sozialen Netzwerken Drohungen erhalten und dann zur Polizei gehen, um Anzeige zu erstatten und sie dann erstmal gefragt werden: Was ist denn Twitter? Und dann als Antwort kommt: Dann hören sie eben auf, dort zu schreiben, dann ist das nicht zeitgemäß.“

Die sprachliche Unschärfe, die hier zur Verwendung kommt, ist schon faszinierend. Was meint Frau Wizorek? Von welcher Art „Drohungen“ ist hier die Rede? Ein kritischer Tweet? Oder geht es hier um die viel beschworenen Morddrohungen, die zwar immer wieder angeführt, aber komischerweise nie nachgewiesen werden. Und ja, im letzteren Fall sollte die Polizei ihre Arbeit ernst nehmen und entsprechende Ermittlungen aufnehmen. Da es aber nicht um Morddrohungen geht, die auch nach heutigem Recht bereits illegal sind und polizeiliche Ermittlungen nach sich ziehen, sondern offenbar um andere Formen der „Drohung“, bleibt unklar, wieso die Blockier-Option auf Twitter/Facebook/Youtube als bereits vorhandene Lösung nicht ausreicht.

Ein egalitäres Netz ist laut Wizorek aber im Interesse aller: „Wenn sich Frauen aus dem Netz verdrängen lassen, wird unsere gesellschaftliche Vielfalt nicht abgebildet. Und das ist schade, weil das Internet ursprünglich so ein Emanzipationspotential hatte.“ Wir verspielen damit eine Chance für eine gleichberechtigtere Gesellschaft.

Diese paternalistische Denkweise ist ja kaum auszuhalten. Egalitär ist also, wenn alle den gleichen Zugang zum Netz, aber auch gefälligst die gleiche Meinung haben. Insofern Frauen sich wirklich von unhöflichen/unangenehmen Nachrichten aus dem Internet verdrängen lassen, dann liegen Ursache und Lösung des Problems mit Sicherheit nicht in staatlicher Einflussnahme und Zensurmaßnahmen.

Auf diesen Gipfel der kognitiven Dissonanz fällt mir als Schlusswort eigentlich nur ein Zitat von Prof. Gad Saad ein:

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