Warum wir Feminismus NICHT brauchen

Youtuber freakodelic möchte der Welt erklären, warum wir Feminismus brauchen. Ich war da einer etwas anderen Meinung und habe daher ein kleines Antwortvideo erstellt. Viel Spaß!

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Michael Buchinger versteht nicht: Feminismus

Heute mal ein kleines Experiment in Videoform anstatt des üblichen Blogartikels:

Verbesserungsvorschläge und  Feedback sind natürlich erwünscht und ich behalte mir vor in Zukunft weitere Videos zu erstellen, in Abhängigkeit der allgemeinen Resonanz.

Laci Green versteht nicht: Männliche Verhütung

Es stellt definitiv eine Kunstform dar, aus dem Mangel an verschiedenen Möglichkeiten der männlichen Verhütungsmethoden eine Benachteiligung von Frauen zu konstruieren. Allerdings ist das bei der im Titel genannten Person auch kein Wunder, da Frau Green ja bereits seit vielen Jahren ein Profi im Jonglieren von Fakten ist.

Grundsätzlich muss man es ihr ja erst einmal zugute halten, dass sie sich überhaupt aus diesem Winkel dem Thema Verhütungsmethoden und Reproduktionsrechte annähert. Und wie sie auch direkt in Minute 0:15 des Videos sagt, gibt es 11 verschiedene Optionen für Frauen um eine Schwangerschaft zu verhindern. Im Gegensatz dazu gibt es für Männer nur zwei: Kondome oder eine Vasektomie. Gerade letzteres dürfte für viele Männer keine ernsthafte Option sein, da sie (in vielen Fällen) nicht reversibel ist.

Wenn Frau Green im Video dann allerdings zu den Gründen kommt, warum dieses Ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Verhütungsmethoden besteht, dann kommt die internalisierte Narration wieder zum Vorschein: Fortpflanzung ist Frauensache! Und nur deshalb  wird so viel Geld in die Erforschung von weiblichen Verhütungsmitteln investiert! Sexismus!

Dabei spricht sie kurz vorher schon das eigentliche Problem an: Die Reproduktionsmechanismen von Frauen und Männern sind unterschiedlich und stellen damit Entwicklung und Forschung auch vor unterschiedlich schwere Hürden. Selbst wenn die Reproduktionsmechanismen von Frauen insgesamt deutlich komplexer sind als die von Männern, so finden wir bei Frauen jedoch einen großen, vorteilhaften Unterschied: Frauen besitzen bereits einen eingebauten Mechanismus, der sie für einen definierten Zeitraum nicht-empfänglich macht. Diesen Vorgang mit einer täglichen Gabe bestimmter Hormone (Östrogene und Gestagene) dauerhaft zu aktivieren, ist deutlich einfacher, als einen vergleichbaren Mechanismus im Mann künstlich zu erschaffen. Dies dürfte einen entscheidenden Einfluss darauf gehabt haben, dass sich Forschungsvorhaben auf weibliche Verhütungsmethoden fokussiert haben.

Und es ist auch nicht so, als ob männliche Verhütungsmethoden nicht entwickelt wurden und immer noch werden. Allerdings stand man bisher vor dem Problem, dass eine rein hormonelle Methode im Mann eben keinen Mechanismus vorfindet, den sie „zweckentfremden“ könnte. Zumindest nicht ohne sehr starke Nebenwirkungen. Hinzu kommt, dass die notwendige Gabe von Testosteron nicht einfach über eine Pille erfolgen kann, da es sonst durch die Leber in Östrogen umgewandelt wird, bevor es den Wirkort erreichen kann. Deutlich invasivere Eingriffe sind also von Nöten.

Aber Frau Green hat auch dafür eine Lösung: Seit 15 Jahren kommt eine männliche Verhütungsmethode in Indien zum Einsatz, die „completely safe and reversible“ ist. Na, das klingt doch wunderbar! Zumindest so lange, bis man eine kurze Googlesuche zur Reversible inhibition of sperm under guidance oder auch RISUG vornimmt. Die Sicherheitsstandards für pharmazeutische oder medizinische Produkte scheinen in Indien ja dann doch deutlich weniger streng als in westlichen Ländern zu sein. Oder Frau Green erzählt einfach Bullshit und die Methode befindet sich dort ebenfalls noch in der Testphase. Auf PubMed finden wir unter dem Suchbegriff RISUG gerade mal 23 veröffentlichte Studien, von denen einige „nur“ Review-Paper darstellen, in denen auf die Methode hingewiesen wird. Überfliegt man die Studien kurz, wird eines klar: Diese Methode ist noch lange nicht so weit, als dass sie sich in den nächsten Jahren als weit verbreitete Option für die männliche Verhütung etablieren wird. Inwieweit RISUG sicher ist und z.B. keine Genotoxizität aufweist, wird sich erst noch in weiteren Tierstudien und klinischen Untersuchungen an Humanprobanden zeigen müssen.

Unabhängig davon würde ich mir persönlich jedoch zweimal überlegen, ob ich mir eine Substanz in den Genitalbereich spritzen lasse oder ob ich einfach noch so lange abwarte bis es eine vergleichbar einfache Applikationsmethode, wie die Antibabypille, für Männer gibt.

Trotz allem wissen wir jetzt aber (mal wieder): Weniger Freiheit = Mehr Privilegien.

Nikkys Freundin versteht nicht: Warum wir den Feminismus heute noch brauchen

Manchmal stelle ich mir die Frage, ob diese ganze „Hysterie“ um den Feminismus – wie sie ja oft von Personen außerhalb der feministischen Peer-Group beschworen wird – überhaupt gerechtfertigt ist. Mit meinen liberalen Ansichten vertrete ich auch gleichzeitig ein positives Menschenbild und bin der Meinung, dass im Inneren die meisten Personen doch eigentlich rationale, kritische und skeptische Wesen sind. Und dann wiederum stoße ich auf so was:

Ich weiß gar nicht wo ich überhaupt anfangen soll. In den ersten 30 Sekunden werden einem so viele angebliche Erfolge der feministischen Bewegung maschinenhaft um die Ohren gehauen, dass man das Gefühl bekommt, Skynet hätte bereits die Welt übernommen. Daher hier nur die offensichtlichsten Fehltritte:

  • Das Wahlrecht

Ungleich des ewigen feministischen Märchens wurde das Wahlrecht vor 100+ Jahren nicht nach Geschlechtszugehörigkeit verteilt. Stattdessen war das Wahlrecht an Reichtum und Grundbesitz gekoppelt. Die ersten nachweislichen Berichte von Frauen mit Wahlrecht stammen bereits aus dem Jahr 1647.

1608: Juliana Morell, a Spanish woman, became the first woman to earn a doctorate degree (indeed, the first woman to earn any type of university degree).

Und noch weiter zurück geht unsere Zeitreise.

  • Recht auf einen Beruf

Abgesehen davon, dass die Vorstellung, Frauen hätten in vormodernen Zeiten nicht ebenso handwerkliche und körperliche Arbeit verrichtet wie ihre männlichen Gegenstücke, völlig absurd ist, so gibt es auch unzählige historische Berichte von Frauen, die mit „höheren“ Tätigkeiten ihren Lebensunterhalt verdient haben.

Und dann kommt Minute 0:40 im Video:

Nach wie vor prägen strukturelle Diskriminierungen und Benachteiligungen von Frauen unsere Gesellschaft. [Pause] [Leerer Blick]

Okay. Bitte anschnallen, Greatness awaits:

Der Gender Pay Gap liegt bei sagenhaften 23%[…]

Das nächste tote Pferd. Immerhin hängt sie danach noch an:

Und selbst wenn man alle Faktoren rausrechnet[…]bleiben immer noch 8%, die ein Mann mehr verdient als eine Frau, bei gleicher Arbeit.

Nö. Natürlich ist es hier wichtig, welche Studie man sich anschaut, denn der bereinigte Gender Pay Gap wird abhängig von den Autoren jeweils anders erhoben und interpretiert. Viel wichtiger ist allerdings die Implikation, dass der Gender Pay Gap angeblich die Folge von Diskriminierung sei. Die Tatsache, dass wir Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen finden, lässt sich mit einer Vielzahl anderer Faktoren erklären. Die Behauptung, dass ein Anteil an diesem Verdienstunterschied, den wir bisher noch nicht erklären können, automatisch die Folge von Diskriminierung sein soll, ist nichts anderes als ein God-of-the-Gaps-Argument.

Und jetzt folgt das eigentliche Zuckerstück des Videos:

Zweitens ist der Gender Pay Gap vor allem auch ein Ausdruck dafür, dass Arbeit die traditionell von Frauen verrichtet wird, etwa soziale Berufe, weniger wert geschätzt und deswegen auch weniger bezahlt werden, als von Männer verrichtete Berufe, etwa in der Industrie. Schon mal darüber nachgedacht!?

Ich weiß schon, wer hier nicht nachgedacht hat und es ist nicht der naive Zuschauer. Auch ohne Wirtschaftsexperte zu sein, ist selbst mir klar, dass die Höhe der Löhne von zwei entscheidenden Faktoren abhängt: Wie viel erwirtschaftet das Unternehmen und wie viele potenzielle Arbeitnehmer gibt es. (Und ja, bevor mir jetzt ein BWLer Simplifizierung vorwirft: Ich weiß, dass es nicht so einfach ist. Um den logischen Fehlschluss im Video aufzuklären, reicht es aber allemal).

Ein Unternehmen, welches industrielle Produkte herstellt, für die es eine hohe Nachfrage gibt und für deren Herstellung ein spezifischer, höherer Bildungsabschluss notwendig ist, wird mehr Lohn zahlen (müssen). Hingegen wird ein Unternehmen, welches soziale Dienstleistungen anbietet, die auch von niedriger qualifizierten Arbeitnehmern ausgeführt werden können und für die es sowohl eine geringere Nachfrage, als auch einen geringeren wirtschaftlichen Nutzen gibt, weniger Lohn zahlen. Geschlecht hat in dieser Gleichung nur insoweit einen Einfluss, als dass sich offenbar mehr Frauen individuell dafür entscheiden in einem Arbeitsbereich tätig zu sein, welcher aufgrund wirtschaftlicher „Umweltbedingungen“ weniger Lohn zahlen kann und will. Niemand hält Frauen davon ab, ihre Karriere in den gleichen Arbeitsfeldern wie Männer zu starten. Entsprechend sollten hier dann auch die Lohnunterschiede verschwinden.

Der Rest des Videos ist relativ substanzloses Blabla über „not asking for it“ und „sexuelle Objektifizierung“. Die vorgebrachten „Argumente“ für Letzteres lassen sich mit einem kurzen Verweis auf folgende Werbung entkräften. Nacktheit wird natürlich unter keinen Umständen universell eingesetzt, um Produkte zu bewerben. Lächerlich!

Update (29.05.2016): Für das Video wurden inzwischen Kommentare und Bewertungen deaktiviert. Na, wer hätte das denn erwartet. Warum auch in einem offenen Dialog über die vorgebrachten Ideen diskutieren, wenn man sich einfach in seinen Echo Chamber zurückziehen kann.

Quickie (1): Sibylle Berg / In eigener Sache

Sibylle Berg, Margarete Stokowskis große Schwester im Geiste, beschwert sich in ihrer wöchentlichen Kolumne über das Wegfallen von Feindbildern. Aufhänger dafür ist für sie der Umstand, dass sich jetzt sogar schon die BILD-Zeitung für Flüchtlinge einsetzt und man deshalb eigentlich gar nichts mehr hat, was man so richtig und aus tiefstem Herzen hassen kann. Dieser kurze Text, voll mit unnötigen Hyperbeln, hat aber doch eine interessante Aussage zu bieten:

Da waren immer die guten Zeitungen, „Süddeutsche“ und „FAZ“ und der SPIEGEL, mit ihren durchwechselnde Chefs, immer männlich, bedingten Qualitätsschwankungen, und dann waren da Sachen wie eben „Bild“. Die jetzt lustigerweise eine Chefin hat. Aber auch hier lerne ich langsam, dass es nichts hilft, dauernd zu jammern, dass es so wenige Frauen in Führungspositionen gibt, denn leider scheuen viele die Überstunden, die Angreifbarkeit, ja den Hass, dem man an der Spitze jeder Unternehmung ausgesetzt ist.

Ist das jetzt ein Zeichen für eine zweite geistige Pubertät bei Frau Berg? Bröckelt jetzt doch so langsam die ideologische Fassade? Wirkt die permanente Selbstimpfung des ewig gleichen Mantras nicht mehr?

Man kann nur hoffen.


Nur kurz in eigener Sache: Ich möchte gerne noch nachträglich meinen herzlichen Dank an Arne Hoffmann ausrichten, der mich netterweise in seinem Blog „Genderama“ verlinkt hatte. Dazu muss ich noch sagen, dass für mich sein Buch „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ der Stein des Anstoßes war, selbst online aktiv zu werden und meiner Stimme Gehör zu verschaffen. Daher eine klare Buchempfehlung von mir!

So, genug vom shilling: Ich freue mich sehr über die Willkommensgrüße und hoffe auf einen ergiebigen Diskurs!

Emanzipation als Markenprodukt

Wie es einst dem Punk erging – von der anti-gesellschaftlichen und anti-kapitalistischen Gegenbewegung zum T-Shirt Aufdruck – so findet sich auch der emanzipatorische Feminismus bereits seit längerer Zeit  in der Palette diverser Produktreihen wieder. Ob es sich hier nun um toxische „Male Tears“-Tassen handelt oder es um, auf der Oberfläche zahm erscheinende, aber aufgrund der ausbeuterischen Herstellungshintergründe zutiefst verstörende, „This Is What A Feminist Looks Like“-Shirts geht: Wer sich emanzipiert fühlt, der zeigt das in dem er einem Milliarden-Unternehmen Geld in den Rachen wirft. Man ist sich ja selbst für nichts zu schade.

Jetzt gibt es aber einen gravierenden Unterschied zwischen den „Subkulturen“ Punk und Mainstream Feminismus. Letzterer findet es nämlich gut, dass man die eigenen Ideale verraten hat und zum Markenprodukt geworden ist. Zumindest bekommt man den Eindruck, wenn man folgendes liest:

Denn durch Frauen wie Beyoncé oder Emma Watson hat ein neuer, plakativer Feminismus den Mainstream erreicht.

Diesen Satz finden wir in einem Artikel auf bento, verfasst von Judith Brachem, mit dem etwas irreführendem Titel „Wie der Feminismus die Fashion-Industrie prägt“. Frau Brachem scheint nur irgendwie zu verwechseln, wer hier eigentlich wen „prägt“ bzw. für seine Interessen missbraucht.

Die „Fashion-Industrie“ hat also jetzt den Feminismus als Marketing-Tool für sich entdeckt. Wenn man es so ausdrückt, klingt das aber eher negativ. Daher wird die Narration einfach so lange in die gewünschte Richtung gebogen, bis man nachher kein schlechtes Gewissen haben muss, weil man ja eigentlich nur auf die moderne Form eines Schlangenöl-Händlers reingefallen ist und zusätzlich auch noch unmenschliche Arbeits- und Produktionsbedingungen in Entwicklungsländern finanziert hat.

Ich glaube nicht, dass es auf diesem Planeten eine Maschine gibt, die die Menge an kognitiver Dissonanz berechnen könnte, die in diesem Artikel steckt: Die „unterdrückte Klasse“ trägt Kleidung mit der Botschaft ihrer eigenen Emanzipation auf der Brust…

So ganz klar ist Frau Brachem ihr eigener Standpunkt aber wohl offenbar selbst nicht, denn einige Abschnitte ihres Artikels stehen sich doch eher diametral gegenüber. Zum einen schreibt sie:

Viele Feministinnen machten sich danach Sorgen um den richtigen Umgang mit dem Thema. Bloggerin Susie Lau von Style Bubble fragte in ihrem Blog: „Was auch immer Karl Lagerfelds wahre Meinung über Feminismus ist, es ist schwierig, den Überzeugungen einer Gruppe uniformer Frauen zu glauben, die ein unrealistisches Frauenbild verkörpern und solche Sprüche hochhalten, gleichzeitig aber Sachen tragen, die unerhört teuer sind. Wieso machst du das, Karl? Um der Kontroverse willen? Für mehr Likes auf Instagram? Ich nehme an, dass es eine Mischung aus beidem ist.“

Aber andererseits ist das alles ja gar nicht so schlimm, denn:

Natürlich kann es sein, dass Designer und Unternehmen den Feminismus nur ausnutzen, um den Konsum anzukurbeln. Aber passiert dadurch nicht auch gleichzeitig das Gegenteil? Der Feminismus profitiert davon, endlich einmal Aufmerksamkeit von einem großen Publikum zu bekommen. Das angestaubte Image ist weg, Feminismus findet jetzt auch als Print auf T-Shirts und als Schnappschuss auf Instagram statt.

Natürlich, Sprüche auf überteuerten Oberteilen wie „Mind Your Own Uterus“, „More Feminism – Less Bullshit“ oder „Ladies First“ schreien ja gerade zu die Ideale der gern zitierten Wikipedia-Definition von Feminismus in die Welt hinaus. „But it’s about equality between the sexes!!!111“

Und natürlich fehlen die üblichen Worthülsen nicht: Jede(r) darf mitmachen, jede(r) ist perfekt so wie sie/er ist, jede(r) kann alles erreichen. Oh achja, die Männer dürfen wir dabei natürlich nicht vergessen. Die kriegen den entsprechenden Partnerlook verpasst mit Aufdrucken wie „Gender Equality“, „Radical Feminist“ oder „Women Power“. Doppelt abkassieren; man kann es ja zumindest mal versuchen.

Am Ende wird eigentlich klar, worum es hier geht:

Anstatt uns also in Perfektion zu uniformieren, kleiden wir uns in Girlpower.

Man schlüpft also aus der einen Uniform in die nächste. Der Anstrich gefällt einem jetzt vielleicht etwas besser, aber dafür ist auch die Geldbörse deutlich leichter. Die autoritäre Vorgabe bleibt jedoch die gleiche: „Wir sagen dir was richtig ist und es wäre besser wenn du dich dran hältst.“ Nestbeschmutzerinnen werden nämlich auch weiterhin nicht geduldet.

Konformität ist Individualität. Orwell lässt grüßen.