„The Red Pill“ | Livestream mit den Small Talkers

Ich habe mich mit den Small Talkers über die Dokumentation „The Red Pill“ in einem ca. zweistündigen Livestream ausgetauscht. Es war ein sehr entspanntes und vor allem interessantes Gespräch über einige der Themenschwerpunkte, die in der Doku angeschnitten werden, wie z.B. die Entbehrlichkeit des Mannes, häusliche Gewalt und Familienrecht. Den Livestream möchte ich  euch natürlich nicht vorenthalten und ich wünsche euch viel Spaß beim Schauen!

#FRAUENHASS | Frauklären mit Suzie Grime

Heute möchte ich ein ganz besonderes Exemplar der deutschen Youtube-Szene vorstellen: Suzie Grime. Neben Boulevardthemen und dem Cannabiskonsum, redet Suzie auch gerne mal darüber, was sie denn so von Männern hält. Natürlich alles unter dem Label des Feminismus. Wer hätte das gedacht. Viel Spaß!

HASSkommentare auf Youtube

Gestern habe ich relativ spontan eine kurze Besprechung von drei Kommentaren vorgenommen, die vor einiger Zeit unter einem meiner Youtube-Videos gepostet wurden. Herausgekommen ist ein ca. 30 Minuten langer Monolog, frei gesprochen und mit vielen gedanklichen Abzweigungen. Trotzdem sind da vielleicht einige interessante Ausführungen dabei und daher möchte ich euch diesen Rant nicht vorenthalten. Viel Spaß!

Sexismus und Werbung

Heute geht es (mal wieder) um die NGO Pinkstinks und ich schaue mir ihre Kampagne „gegen Sexismus in der Werbung“ an. Die Mitwirkenden bei Pinkstinks scheinen aus irgendeinem Grund nicht verstanden zu haben, was der Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung ist. Viel Spaß!

 

Warum wir Feminismus NICHT brauchen

Youtuber freakodelic möchte der Welt erklären, warum wir Feminismus brauchen. Ich war da einer etwas anderen Meinung und habe daher ein kleines Antwortvideo erstellt. Viel Spaß!

Der Gender Pay Gap

Thema heute: Der verzweifelte Versuch von Spiegel-Online, den Gender Pay Gap als Geschlechterdiskriminierung zu verkaufen. Alternativtitel: Wie argumentiere ich möglichst emotional und substanzlos gegen wissenschaftliche Studien. Besprechung des Artikels wieder im Videoformat. Zweiter Teil des Videos folgt in Kürze. Viel Spaß!

„Gewalt: Es ist kein Weißer“

Margarete Stokowski. Das Lesen dieses Namens löst in meinem Kopf normalerweise eine Kaskade immer stärker werdender Schmerzen aus, die ich nur wieder los werde, wenn ich die, dem Namen nachfolgenden, geistigen Ergüsse einfach so gut wie möglich ignoriere.

Gestern jedoch, war alles anders. Vor meinem geistigen Auge spielte sich eine Szene aus einem Paralleluniversum ab. Ein Universum, in dem das kollektive Beschuldigen einer demographischen Gruppe völlig in Ordnung war. In dem Menschen für Körpermerkmale, über die sie keinerlei Kontrolle haben, angeklagt und in einen Topf mit Vergewaltigern, Mördern und Kinderschändern geworfen werden können. Einfach so. In diesem Paralleluniversum machte ich wie gewohnt die Webseite von Spiegel-Online auf und musste Folgendes lesen:

Kommt es zu einer Gewalttat, fragen wir nach der Geschichte des Täters, nach seinem Geschlecht, nach seiner Ideologie und seiner Motivation. Nach der Hautfarbe zu fragen, haben wir uns abgewöhnt. Warum?

Wenn wir von einer Schwangerschaft erfahren, stellen wir oft zwei Fragen: Wann ist es so weit? Und: Weiß man schon, was es wird? Wenn wir von Schlägereien, Massenmord, Vergewaltigung oder Mord hören, fragen wir nicht mehr: Weiß man schon die Hautfarbe? Wir gehen davon aus, dass es nicht-hellhäutige Personen waren.

[…]

Der Schauspieler Wendell Pierce, bekannt aus „The Wire“, wurde aufgrund mutmaßlicher Körperverletzung in Gewahrsam genommen. Mehr als 50 Frauen, unter ihnen eine Vielzahl hellhäutig, werfen dem Comedian und Schauspieler Bill Cosby sexuellen Missbrauch vor. Ein dunkelhäutiger Mann aus dem US-Bundestaat Georgia erschoss skrupellos mehrere seiner Familienmitglieder. Sogar die Gewalt unter schwarzen Teenagern ist weit verbreitet: Im April wurden einer 16-jährigen von mehreren Mitschülerinnen so starke Verletzungen zugefügt, dass sie kurz darauf in einem Krankenhaus verstarb.

In Italien wurde erst vor kurzem ein hochrangiger Menschenhändler mit dunkler Hautfarbe festgenommen. Black Lives Matter-Aktivisten rufen immer wieder offen zu Unruhen und Gewalt auf, die dann in entsprechenden Taten resultieren. Die Gang-Kriminalität macht auch nicht vor neunjährigen Kleinkindern halt. Und auch das Massaker in Orlando, welches mit 50 Toten und mehr als 50 Verletzten endete, wurde von einem nicht-hellhäutigen Mann mit Abstammung aus Afghanistan durchgeführt.

[…]

Wir reden nicht über Hautfarbe oder Herkunft, obwohl wir umgeben sind von Gewalt, die von nicht-hellhäutigen Menschen ausgeht. In den USA erfasste das FBI 2015 jeden Tag rund 13 Vergewaltigungen von Schwarzen bzw. Afroamerikanern, und das sind nur die Fälle, die bei der Polizei angezeigt wurden, die Dunkelziffer ist wesentlich höher. Insgesamt waren unter den Verdächtigten im Bereich Sexualstraftaten 24,3% Afroamerikaner, obwohl diese nur 12,6% der Gesamtbevölkerung in den USA ausmachen. Laut den Verbrechensstatistiken des FBI sind eine Vielzahl an Verstößen gegen das Gesetz in der nicht-weißen Bevölkerung der USA überproportional vertreten.

[…]

Immer sind es die Weißen, die ihr Verhalten anpassen sollen

Im Englischen gibt es den Begriff der „toxic blackness“, also einer Lebensweise, die auf Dominanz und Gewalt basiert und Gefühle nicht zulässt. Dazu gehört auch die Vorstellung einer gigantischen Ladung sexueller Triebhaftigkeit, die nur mit Mühe in zivilisierten Bahnen gehalten werden kann. Es ist ein Problem, wenn Afroamerikanern immer wieder erzählt wird, dass ein „richtiger Schwarzer“ nicht weine, eine ausschweifende und geradezu animalische Sexualität habe und alles, was sich ihm in den Weg stellt, eigenhändig beiseite räumen müsse – ein Problem für Weiße und Schwarze.

[…]

Wir halten es für eine verdammte Selbstverständlichkeit, dass ein Weißer in der Dämmerung nicht mehr im Wald joggen gehen sollte. Ein Weißer. Immer sind es die Weißen, die ihr Verhalten anpassen sollen. Vielen Schwarzen ist nicht klar, wie sehr Weiße die Angst und den Schutz vor Gewalt in ihren Alltag integrieren. Wie sehr wir ein Klima von Bedrohung für normal halten. Wie oft wir ein Taxi nehmen, um nach Hause zu kommen, nicht aus Bequemlichkeit, sondern um sicher nach Hause zu kommen. Wenn wir das Geld haben.

Selbst Schwarze, die sich für komplett harmlos halten, können etwas dafür tun, dieses Klima der Angst zu ändern. Wenn Sie zum Beispiel abends auf der Straße allein hinter einem Weißen laufen und dieser Ihre Schritte hört, oder wenn Sie ihm entgegenkommen, wechseln Sie doch die Straßenseite. Sie ahnen nicht, wie erleichternd das sein kann.

Was sollte mir dieser rassistische Artikel aus dem Paralleluniversum nun sagen?

Genau. Dass es vollkommen absurd wäre, alle Mitglieder einer demographischen Gruppe kollektiv an den Pranger zu stellen, nur weil andere Menschen aus dieser Gruppe, mit denen sie zufälligerweise die gleiche Hautfarbe oder die gleiche Herkunft teilen, der statistischen Wahrscheinlichkeit nach häufiger Verbrechen begehen. Genauso wenig Sinn würde es ergeben, den Grund für diesen Befund an einer angeblichen intrinsischen Eigenschaft dieser Gruppe festzumachen; sei es vermeintlich „von Natur aus“ oder anerzogen. Weiterhin sollten die irrationalen Ängste der einen Gruppe, nicht als legitime Begründung für eine erwartete/geforderte Verhaltensanpassung der anderen Gruppe anerkannt werden. Vor allem dann nicht, wenn die Statistiken gegen diese irrationalen Ängste sprechen und besagte Gruppe sogar sicherer ist, als jede andere.

Aber zum Glück lebe ich ja nicht in diesem Paralleluniversum. Stattdessen darf ich mir dann ansehen, wie sich Frau Stokowski mit den gleichen Fehlschlüssen und der gleichen Hetze, nicht an der Hautfarbe, sondern an den Genitalien abarbeitet. Yay!

„Die Zweigeschlechtlichkeit ist biologisch nur noch schwer zu beweisen“

Christian von Alles Evolution hatte in einem Tweet auf diesen Artikel des Tagesspiegel hingewiesen, in welchem der verzweifelte Versuch diverser VertreterInnen der Gender Studies besprochen wird, ihre Forschung gegen Kritik zu „verteidigen“. Man kann aber nicht von einer redlichen Verteidigung sprechen, da dieses Zusammentreffen von Politik und Forschung unter dem Motto „Dialog statt Hass“ gelaufen ist. Damit wird bereits klar, dass die überwältigende Kritik an den Gender Studies nicht als konstruktiv gesehen, sondern direkt als Hassrede deklariert wird. Vermutlich in der Hoffnung, den Kritikern damit den Wind aus den Segeln nehmen zu können. Dass man mit so einer Wortwahl aber bereits die Schwäche der eigenen Position demonstriert bevor die Gegenseite auch nur den Mund aufgemacht hat, lasse ich jetzt einfach einmal so im Raum stehen.

Es wird viel relativiert („Nur 0,4 Prozent der Professuren sind der Genderforschung gewidmet, das ist doch alles nicht so wild!“) und man stilisiert sich selbst als Opfer („Gender-Bashing“). Also so weit, so erwartbar. Interessanter ist jedoch der letzte Abschnitt des Artikels, über den ich hier kurz ein paar Worte verlieren möchte:

„Die Biologie findet so viele Geschlechter, wie sie sucht“

[…]

„Wenn Biologen zwei Geschlechter finden wollen, finden sie auch zwei“, war am Biologie-Tisch zu erfahren. „Suchen sie fünf, finden sie fünf.“ Die Vorstellung, es gebe nur zwei Geschlechter, sei jedenfalls längst in Auflösung, weil die Zweigeschlechtlichkeit biologisch nur noch schwer zu beweisen sei. Allerdings leide das Fach Biologie an einem Mangel an Genderreflexion. Ein Kongress, auf dem sich Biologinnen mit Kulturwissenschaftlerinnen über Gender austauschen, könne Abhilfe schaffen, schlug eine Forscherin vor. Vielleicht verläuft die Debatte dann auch kontroverser als im Abgeordnetenhaus.

Vielleicht habe ich in meinem Biologiestudium zu viele Vorlesungen oder Seminare verpasst, aber mir war bis heute nicht bewusst, dass „Zweigeschlechtlichkeit nur schwer zu beweisen sei“. Es gibt Myriaden an empirischen Studien, durchgeführt über den Zeitraum vieler vergangener Dekaden bis hin zur heutigen Zeit, in denen die „Zweigeschlechtlichkeit“, also die Einteilung in einen männlichen und weiblichen Phänotyp und Genotyp, von Organismen verschiedener Spezies nachgewiesen wurde. Es gibt sogar ein Gen, welches bei Säugetieren (zu denen auch der Mensch zählt) klar definiert, ab wann ein Organismus als männlich oder weiblich angesehen werden muss: Das SRY-Gen, welches sich normalerweise auf dem Y-Chromosom befindet. Ist es vorhanden, kommt es während der Embryogenese zur Ausbildung von Hoden und damit zu einer Geschlechtsdifferenzierung hin zum männlichen Geschlecht. Ist es nicht vorhanden bzw. funktionslos, bilden sich Eileiter und Gebärmutter, und dieser Kaskade folgend kommt es zur Geschlechtsdifferenzierung hin zum weiblichen Geschlecht.

Durch Mutationen oder andere Fehlentwicklungen bei z.B. der Reifeteilung kann es zu verschiedenen Symptomen/Syndromen, wie z.B. dem XX-Mann, kommen. Hier hat ein Individuum kein Y-Chromosom, aber dennoch einen männlichen Phänotyp. Durch eine Translokation des SRY-Gen auf eines der X-Chromosome kommt es bei diesen Individuen zur Einleitung der männlichen Geschlechtsdifferenzierung. Auch in diesen Sonderfällen findet sich eine klare Einteilung in männlich und weiblich auf phänotypischer und genoytpischer Ebene: Ein XX-Mann hat einen weiblichen Genotyp (oder auch Karyotyp) und einen männlichen Phänotyp. Jegliche Abweichung von der Dichotomie, jede „Zwischenform“, ist eben genau das: Eine Mischung aus weiblichen und männlichen (Geschlechts)Merkmalen. Daraus folgt aber kein drittes, viertes oder fünftes Geschlecht.

Die Behauptung, die Biologie würde so viele Geschlechter finden, wie sie sucht, ist also kompletter Bullshit.

Aber jetzt kommt natürlich die Trumpfkarte der Anhänger diverser konstruktivistischer Theorien: Das soziale Geschlecht und biologische Geschlecht muss man voneinander trennen! Nein, muss man nicht. Zuerst einmal ist die willkürliche Trennung in ein soziales und biologisches Geschlecht eine unnötige Erhöhung der notwendigen Annahmen für eine Theorie. Zweitens zeigen Untersuchungen an transsexuellen Personen, dass geschlechtertypische Verhaltensweisen durch die Gabe von entsprechenden Hormonkonzentrationen beeinflusst werden können. Drittens zeigen unsere nächsten Verwandten eine vergleichbare „Zweigeschlechtlichkeit“ und bei diesen Spezies sind Einflüsse einer Sozialisierung, wie man sie beim Menschen findet, auszuschließen. Theorien, welche eine Einheit aus Nature versus Nurture annehmen, sind daher auf Basis der empirischen Forschung und unter der Beachtung von Ockhams Rasiermesser zu bevorzugen.

Im Artikel des Tagesspiegel finden sich noch Verweise auf zwei weitere Artikel zum Thema, in denen ähnliche Fehltritte zu finden sind. Um aber emotional nicht vollkommen aus der Balance zu fallen, verschiebe ich eine detaillierte Betrachtung und Besprechung dieser Artikel auf einen späteren Zeitpunkt.

Nikkys Freundin versteht nicht: Warum wir den Feminismus heute noch brauchen

Manchmal stelle ich mir die Frage, ob diese ganze „Hysterie“ um den Feminismus – wie sie ja oft von Personen außerhalb der feministischen Peer-Group beschworen wird – überhaupt gerechtfertigt ist. Mit meinen liberalen Ansichten vertrete ich auch gleichzeitig ein positives Menschenbild und bin der Meinung, dass im Inneren die meisten Personen doch eigentlich rationale, kritische und skeptische Wesen sind. Und dann wiederum stoße ich auf so was:

Ich weiß gar nicht wo ich überhaupt anfangen soll. In den ersten 30 Sekunden werden einem so viele angebliche Erfolge der feministischen Bewegung maschinenhaft um die Ohren gehauen, dass man das Gefühl bekommt, Skynet hätte bereits die Welt übernommen. Daher hier nur die offensichtlichsten Fehltritte:

  • Das Wahlrecht

Ungleich des ewigen feministischen Märchens wurde das Wahlrecht vor 100+ Jahren nicht nach Geschlechtszugehörigkeit verteilt. Stattdessen war das Wahlrecht an Reichtum und Grundbesitz gekoppelt. Die ersten nachweislichen Berichte von Frauen mit Wahlrecht stammen bereits aus dem Jahr 1647.

1608: Juliana Morell, a Spanish woman, became the first woman to earn a doctorate degree (indeed, the first woman to earn any type of university degree).

Und noch weiter zurück geht unsere Zeitreise.

  • Recht auf einen Beruf

Abgesehen davon, dass die Vorstellung, Frauen hätten in vormodernen Zeiten nicht ebenso handwerkliche und körperliche Arbeit verrichtet wie ihre männlichen Gegenstücke, völlig absurd ist, so gibt es auch unzählige historische Berichte von Frauen, die mit „höheren“ Tätigkeiten ihren Lebensunterhalt verdient haben.

Und dann kommt Minute 0:40 im Video:

Nach wie vor prägen strukturelle Diskriminierungen und Benachteiligungen von Frauen unsere Gesellschaft. [Pause] [Leerer Blick]

Okay. Bitte anschnallen, Greatness awaits:

Der Gender Pay Gap liegt bei sagenhaften 23%[…]

Das nächste tote Pferd. Immerhin hängt sie danach noch an:

Und selbst wenn man alle Faktoren rausrechnet[…]bleiben immer noch 8%, die ein Mann mehr verdient als eine Frau, bei gleicher Arbeit.

Nö. Natürlich ist es hier wichtig, welche Studie man sich anschaut, denn der bereinigte Gender Pay Gap wird abhängig von den Autoren jeweils anders erhoben und interpretiert. Viel wichtiger ist allerdings die Implikation, dass der Gender Pay Gap angeblich die Folge von Diskriminierung sei. Die Tatsache, dass wir Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen finden, lässt sich mit einer Vielzahl anderer Faktoren erklären. Die Behauptung, dass ein Anteil an diesem Verdienstunterschied, den wir bisher noch nicht erklären können, automatisch die Folge von Diskriminierung sein soll, ist nichts anderes als ein God-of-the-Gaps-Argument.

Und jetzt folgt das eigentliche Zuckerstück des Videos:

Zweitens ist der Gender Pay Gap vor allem auch ein Ausdruck dafür, dass Arbeit die traditionell von Frauen verrichtet wird, etwa soziale Berufe, weniger wert geschätzt und deswegen auch weniger bezahlt werden, als von Männer verrichtete Berufe, etwa in der Industrie. Schon mal darüber nachgedacht!?

Ich weiß schon, wer hier nicht nachgedacht hat und es ist nicht der naive Zuschauer. Auch ohne Wirtschaftsexperte zu sein, ist selbst mir klar, dass die Höhe der Löhne von zwei entscheidenden Faktoren abhängt: Wie viel erwirtschaftet das Unternehmen und wie viele potenzielle Arbeitnehmer gibt es. (Und ja, bevor mir jetzt ein BWLer Simplifizierung vorwirft: Ich weiß, dass es nicht so einfach ist. Um den logischen Fehlschluss im Video aufzuklären, reicht es aber allemal).

Ein Unternehmen, welches industrielle Produkte herstellt, für die es eine hohe Nachfrage gibt und für deren Herstellung ein spezifischer, höherer Bildungsabschluss notwendig ist, wird mehr Lohn zahlen (müssen). Hingegen wird ein Unternehmen, welches soziale Dienstleistungen anbietet, die auch von niedriger qualifizierten Arbeitnehmern ausgeführt werden können und für die es sowohl eine geringere Nachfrage, als auch einen geringeren wirtschaftlichen Nutzen gibt, weniger Lohn zahlen. Geschlecht hat in dieser Gleichung nur insoweit einen Einfluss, als dass sich offenbar mehr Frauen individuell dafür entscheiden in einem Arbeitsbereich tätig zu sein, welcher aufgrund wirtschaftlicher „Umweltbedingungen“ weniger Lohn zahlen kann und will. Niemand hält Frauen davon ab, ihre Karriere in den gleichen Arbeitsfeldern wie Männer zu starten. Entsprechend sollten hier dann auch die Lohnunterschiede verschwinden.

Der Rest des Videos ist relativ substanzloses Blabla über „not asking for it“ und „sexuelle Objektifizierung“. Die vorgebrachten „Argumente“ für Letzteres lassen sich mit einem kurzen Verweis auf folgende Werbung entkräften. Nacktheit wird natürlich unter keinen Umständen universell eingesetzt, um Produkte zu bewerben. Lächerlich!

Update (29.05.2016): Für das Video wurden inzwischen Kommentare und Bewertungen deaktiviert. Na, wer hätte das denn erwartet. Warum auch in einem offenen Dialog über die vorgebrachten Ideen diskutieren, wenn man sich einfach in seinen Echo Chamber zurückziehen kann.

Emanzipation als Markenprodukt

Wie es einst dem Punk erging – von der anti-gesellschaftlichen und anti-kapitalistischen Gegenbewegung zum T-Shirt Aufdruck – so findet sich auch der emanzipatorische Feminismus bereits seit längerer Zeit  in der Palette diverser Produktreihen wieder. Ob es sich hier nun um toxische „Male Tears“-Tassen handelt oder es um, auf der Oberfläche zahm erscheinende, aber aufgrund der ausbeuterischen Herstellungshintergründe zutiefst verstörende, „This Is What A Feminist Looks Like“-Shirts geht: Wer sich emanzipiert fühlt, der zeigt das in dem er einem Milliarden-Unternehmen Geld in den Rachen wirft. Man ist sich ja selbst für nichts zu schade.

Jetzt gibt es aber einen gravierenden Unterschied zwischen den „Subkulturen“ Punk und Mainstream Feminismus. Letzterer findet es nämlich gut, dass man die eigenen Ideale verraten hat und zum Markenprodukt geworden ist. Zumindest bekommt man den Eindruck, wenn man folgendes liest:

Denn durch Frauen wie Beyoncé oder Emma Watson hat ein neuer, plakativer Feminismus den Mainstream erreicht.

Diesen Satz finden wir in einem Artikel auf bento, verfasst von Judith Brachem, mit dem etwas irreführendem Titel „Wie der Feminismus die Fashion-Industrie prägt“. Frau Brachem scheint nur irgendwie zu verwechseln, wer hier eigentlich wen „prägt“ bzw. für seine Interessen missbraucht.

Die „Fashion-Industrie“ hat also jetzt den Feminismus als Marketing-Tool für sich entdeckt. Wenn man es so ausdrückt, klingt das aber eher negativ. Daher wird die Narration einfach so lange in die gewünschte Richtung gebogen, bis man nachher kein schlechtes Gewissen haben muss, weil man ja eigentlich nur auf die moderne Form eines Schlangenöl-Händlers reingefallen ist und zusätzlich auch noch unmenschliche Arbeits- und Produktionsbedingungen in Entwicklungsländern finanziert hat.

Ich glaube nicht, dass es auf diesem Planeten eine Maschine gibt, die die Menge an kognitiver Dissonanz berechnen könnte, die in diesem Artikel steckt: Die „unterdrückte Klasse“ trägt Kleidung mit der Botschaft ihrer eigenen Emanzipation auf der Brust…

So ganz klar ist Frau Brachem ihr eigener Standpunkt aber wohl offenbar selbst nicht, denn einige Abschnitte ihres Artikels stehen sich doch eher diametral gegenüber. Zum einen schreibt sie:

Viele Feministinnen machten sich danach Sorgen um den richtigen Umgang mit dem Thema. Bloggerin Susie Lau von Style Bubble fragte in ihrem Blog: „Was auch immer Karl Lagerfelds wahre Meinung über Feminismus ist, es ist schwierig, den Überzeugungen einer Gruppe uniformer Frauen zu glauben, die ein unrealistisches Frauenbild verkörpern und solche Sprüche hochhalten, gleichzeitig aber Sachen tragen, die unerhört teuer sind. Wieso machst du das, Karl? Um der Kontroverse willen? Für mehr Likes auf Instagram? Ich nehme an, dass es eine Mischung aus beidem ist.“

Aber andererseits ist das alles ja gar nicht so schlimm, denn:

Natürlich kann es sein, dass Designer und Unternehmen den Feminismus nur ausnutzen, um den Konsum anzukurbeln. Aber passiert dadurch nicht auch gleichzeitig das Gegenteil? Der Feminismus profitiert davon, endlich einmal Aufmerksamkeit von einem großen Publikum zu bekommen. Das angestaubte Image ist weg, Feminismus findet jetzt auch als Print auf T-Shirts und als Schnappschuss auf Instagram statt.

Natürlich, Sprüche auf überteuerten Oberteilen wie „Mind Your Own Uterus“, „More Feminism – Less Bullshit“ oder „Ladies First“ schreien ja gerade zu die Ideale der gern zitierten Wikipedia-Definition von Feminismus in die Welt hinaus. „But it’s about equality between the sexes!!!111“

Und natürlich fehlen die üblichen Worthülsen nicht: Jede(r) darf mitmachen, jede(r) ist perfekt so wie sie/er ist, jede(r) kann alles erreichen. Oh achja, die Männer dürfen wir dabei natürlich nicht vergessen. Die kriegen den entsprechenden Partnerlook verpasst mit Aufdrucken wie „Gender Equality“, „Radical Feminist“ oder „Women Power“. Doppelt abkassieren; man kann es ja zumindest mal versuchen.

Am Ende wird eigentlich klar, worum es hier geht:

Anstatt uns also in Perfektion zu uniformieren, kleiden wir uns in Girlpower.

Man schlüpft also aus der einen Uniform in die nächste. Der Anstrich gefällt einem jetzt vielleicht etwas besser, aber dafür ist auch die Geldbörse deutlich leichter. Die autoritäre Vorgabe bleibt jedoch die gleiche: „Wir sagen dir was richtig ist und es wäre besser wenn du dich dran hältst.“ Nestbeschmutzerinnen werden nämlich auch weiterhin nicht geduldet.

Konformität ist Individualität. Orwell lässt grüßen.