Identitätspolitik – Eine Analyse

Was bedeutet eigentlich Identitätspolitik und welche Auswirkungen haben aktuelle identitätspolitische Bestrebungen in unseren modernen, liberalen Gesellschaften? In diesem Video befasse ich mit diesen Fragen und führe eine umfragreiche Analyse in Bezug auf Identitätspolitik, Kollektivismus und Individualismus durch, indem ich mich auf Forschungsergebnisse aus der Verhaltens- und Evolutionsbiologie berufe. Viel Spaß!

[Transkript]

Politische Zugehörigkeit ist für viele Menschen ein wichtiger Indikator, um den Wertekanon und die ideologische Ausrichtung eines Gegenübers korrekt einzuordnen. So könnte man aus der Mitgliedschaft oder der informellen Zugehörigkeit einer Person zu einer Partei, wie der CDU, herauslesen, dass diese Person mit hoher Wahrscheinlichkeit ein konservatives und traditionalistisches Weltbild besitzt. Doch wie bei jeder Form der Kategorisierung gibt es hier einige Fallstricke. Die besagte Person könnte nämlich auch einfach nur Bundeskanzlerin Angela Merkel als besonders kompetent und eloquent einschätzen, gleichzeitig aber mit den sonstigen Werten, die von der gesamten CDU vertreten werden, nicht übereinstimmen.

Eine Selbstzuschreibung der politischen Zugehörigkeit in einem zweidimensionalen Modell, wie es z.B. auf der Webseite politicalcompass.org möglich ist, erlaubt eine abstrakte und parteiungebundene Einordnung der eigenen ideologischen Überzeugung. Mit Hilfe einer Reihe an allgemeinen Fragen lässt sich das eigene Weltbild auf einer wirtschaftspolitischen und einer gesellschaftspolitischen Achse ermitteln. Auf beiden Achsen erstreckt sich ein Spektrum zwischen autoritären und liberalen Überzeugungen. Im Einzelnen werden auf der X-Achse wirtschaftsautoritäre Überzeugungen mit „politisch links“ gekennzeichnet, während wirtschaftsliberale Überzeugungen mit „politisch rechts“ gekennzeichnet werden. Auf der Y-Achse ergibt sich ein analoges Bild: Hier werden gesellschaftspolitische Überzeugungen, die dem Individuum mehr persönliche Freiheiten zugestehen als „liberal“ gekennzeichnet und Einschränkungen der persönlichen Freiheiten zugunsten der gesamten Gesellschaft, also des Kollektivs, werden als „autoritär“ gekennzeichnet.

Kollektivismus beschreibt also ein System von Normen und Werten, in dem das Wohlergehen des Kollektivs die höchste Priorität einnimmt, auch zum Nachteil Einzelner innerhalb des Kollektivs. Der Gegenentwurf zum Kollektivismus ist der Individualismus, bei dem das Wohlergehen und die Rechte des Einzelnen im Mittelpunkt stehen.

So würde die Befürwortung eines Abtreibungsverbot die eigene Position in diesem Modell in Richtung „autoritär“ verschieben; eine Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der Frau in Fragen des Schwangerschaftsabbruchs würde die eigene Position in Richtung „liberal“ verschieben. Wichtig ist es hierbei auch den Blick auf die abstrakte Ebene nicht zu verlieren. Die Befürwortung eines Abtreibungsverbots ist nicht nur eine gesellschaftsautoritäre Überzeugung, weil damit das Selbstbestimmungsrecht der Frau eingeschränkt wird, es handelt sich gleichzeitig auch um eine kollektivistische Überzeugung. Der Staat, die Gesellschaft, das Kollektiv profitiert von einer höheren Geburtenrate und aus diesem Grund ist es für eine Person mit gesellschaftsautoritärer Ideologie vollkommen legitim und gerechtfertigt, das Selbstbestimmungsrecht des Individuums zugunsten des Kollektivs einzuschränken.

Autoritäre Überzeugungen sind also eng mit kollektivistischen Ansichten verknüpft, während liberale Überzeugungen grundsätzlich mit der Befürwortung von Individualrechten einhergehen. Diese unterschiedlichen Überzeugungen haben weiterhin direkten Einfluss auf die Wahl der Methoden, also der Vorgehensweise, um die eigenen politischen Überzeugungen durchzusetzen. Kollektivistische Überzeugungen rechtfertigen autoritäre Vorgehensweisen, die die Individualrechte missachten können, während individualistische Überzeugungen nur mit Berücksichtigung der persönlichen Freiheiten jedes Einzelnen durchgesetzt werden können.

Weil die politische Zugehörigkeit für viele Menschen eine so wichtige Information darstellt, wurde ich bereits zu Beginn meiner Zeit auf Youtube mit der Frage danach konfrontiert. „Welche Partei würdest du wählen?“ oder „Ordnest du dich eher links oder rechts ein?“ waren häufige Kommentare, die ich unter meinen Videos lesen konnte. Ich beantwortete diese auch immer wahrheitsgemäß mit meinem Ergebnis des politischen Kompass, nach dem ich eindeutig im linksliberalen Quadranten anzusiedeln bin. Das bedeutet, dass meine ideologische Überzeugung vorrangig wirtschaftsautoritär und gesellschaftsliberal ist. Ich stehe damit für Individualrechte ein und äußere mich gegen kollektivistische Politik, wenn es um soziale und gesellschaftliche Aspekte geht. Aus dieser ideologischen Überzeugung, also meiner Weltanschauung, heraus speist sich auch meine Abneigung gegen eine Sonderform des Kollektivismus, der sogenannten Identitätspolitik. Doch was ist Identitätspolitik eigentlich?

Es existiert keine allgemein akzeptierte Definition des Begriffs Identitätspolitik, wodurch dessen Verwendung häufig zu Verwirrung führt, gerade im deutschen politischen Diskurs. Der Politikwissenschaftler Nikolaus Werz definiert Identitätspolitik als eine „bewusst gesetzte Grenzziehung zwischen dem Eigenen (die dazu gehören) und dem Anderen (die ausgeschlossen sind). Problematisch sind [aus seiner Sicht] Festschreibungen kollektiver Identität, zumal Wissenschaftler eigentlich vom einzelnen Individuum ausgehen.“ Auch wenn es sich dabei nur um eine mögliche Auslegung der Definition des Begriffs Identitätspolitik handelt, wird schnell klar, dass zum einen eine Unterscheidung des Identitätsbegriffs auf individueller und kollektiver Ebene notwendig ist und es sich zum anderen um eine politische Vorgehensweise handelt, bei der eine oder mehrere Formen der bewussten Abgrenzung betrieben werden.

Bevor wir die Unterscheidung in individuelle und kollektive Identität jedoch treffen können, müssen wir die Definition des Begriffs Identität selbst klären: Leider ist auch die wissenschaftliche Debatte um das Konzept der Identität noch nicht ausgefochten und deshalb finden sich verschiedene Erklärungsansätze dafür was Identität eigentlich bedeutet. Die psychologische Forschung ist sich jedoch weitgehend darüber einig, dass es sich bei der Identität um ein dynamisches Selbstkonzept handelt. Also das Wissen über persönliche Merkmale, d.h. Charaktermerkmale, Fähigkeiten, Vorlieben und Gefühle; über alles das was uns besonders macht. Diese Eigenschaften sind nicht statisch, sondern stehen in ständiger Wechselwirkung mit dem sozialen Umfeld. Der Begriff Identität beschreibt also in erster Linie die sogenannte persönliche Identität, welche einem lebenslangen Wandel unterliegt.

Daraus ergibt sich ein wichtiger Schluss für die Beurteilung der Identitätspolitik: Identitätspolitische Handlungen auf Basis des Individuums zu beschreiben ist eine Tautologie. Jedes Individuum ist und hat  eine einzigartige Identität, grenzt also permanent das Eigene vom Anderen ab und agiert daher auch immer zwangsläufig identitätspolitisch. Es ist unmöglich die identitätsbildenden Erfahrungen die ein Mensch in seinem Leben macht von seiner Person zu trennen, seien es nun positive oder negative Erlebnisse, Herkunft, Erziehung, das Aufwachsen in Reichtum oder Armut, Zugang zu Bildung, religiöse und gesellschaftliche Bräuche und so weiter. Der Einzelne, in seiner momentanen Geisteshaltung, ist immer eine Summe seiner Erfahrungen, die durch seine soziale Umwelt und seine biologische bzw. genetische Ausstattung ohne Unterlass moduliert wurde und bis zu seinem Ableben moduliert werden wird.

Kollektive Identität ist jedoch ein gänzlich anderes Spielfeld. Die Soziologen Francesca Polletta und James M. Jasper definieren kollektive Identität in ihrer Veröffentlichung „Collective Identity and Social Movements“ aus dem Jahr 2001 wie folgt: „Kollektive Identität ist die kognitive, moralische und emotionale Verbindung eines Individuums mit einer größeren Gemeinschaft, Kategorie, Vorgehensweise oder Institution. Es ist die Wahrnehmung eines gemeinsamen Zustands oder einer Verbindung, welche eher eine Vorstellung ist als direkt erfahren wird, und welche sich zwar eindeutig von persönlichen Identitäten unterscheidet, aber dennoch Teil einer persönlichen Identität sein kann.“

Kollektive Identität basiert also nicht zwangsläufig auf persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen, welche über die Zeit das eigene Denken und die eigene Weltanschauung geformt haben. Kollektive Identität ergibt sich auch nicht aus der Summe einer bestimmten Menge persönlicher Identitäten, sondern basiert primär auf einer Vorstellung oder einer geglaubten Verbindung mit anderen. Dadurch handelt es sich um eine soziale Konstruktion, welche mit ausreichend Zeit und genügend Überzeugungskraft zum Teil einer persönlichen Identität werden kann. Lassen sich aber möglicherweise auch biologische Argumente für das Entstehen kollektiver Identitäten, abseits von sozialer Konstruktion, finden?

[Kollektivismus und die Dunbar-Zahl]

Der Anthropologe Robin Dunbar entwickelte ein Konzept, welches heute als „Dunbar-Zahl“ bezeichnet wird. Dunbar veröffentlichte im Jahr 1993 eine wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel „Coevolution of neocortical size, group size and language in humans“ und beschrieb darin den Zusammenhang zwischen der Größe des Neocortex und der maximalen Menge an Individuen einer Spezies, die sich zu stabilen Gruppenverbänden zusammenschließen können. Dunbar argumentiert, dass der Mensch anhand der durchschnittlichen Größe seines Neocortex, also dem Bereich des Gehirns, welcher für höhere kognitive Funktionen wie die Verarbeitung von Sinneswahrnehmungen und Sprache zuständig ist, abschätzen lässt, dass menschliche Gruppenverbände eine Größe von maximal 150 – 250 Individuen erreichen und dabei gleichzeitig über lange Zeiträume stabil bleiben können. Größere Gruppenverbände lassen den Zusammenhalt schwinden und führen zum Zusammenbruch der Strukturen. Er belegt seine Hypothese mit empirischen Daten aus verhaltensbiologischen Analysen der Gruppengrößen verschiedener Primatenarten und anthropologischer Untersuchungen sozialer Verbände des Menschen.

So zeigen zum einen die Größen verschiedener Sammler- und Jagdgruppen von Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans den gleichen Zusammenhang mit der jeweiligen relativen Größe des Neocortex. Zum anderen findet sich ein Zusammenhang bei sowohl den Klans und Stammesgruppen indigener Völker Neuguineas, als auch bei den militärischen Verbänden verschiedener Nationen ab dem 16. Jahrhundert. Einzelne Kompanien bestanden grundsätzlich aus 100 bis maximal 300 Individuen, da sich diese Verbandsgrößen als stabile Gruppen herausgestellt hatten.

Besonders wichtig hierbei ist, dass die Kriterien für das Zusammenfinden aller dieser Gruppen nicht auf genetischer Verwandtschaft beruhen müssen. Dies lässt sich zwar oft beobachten, vor allem bei den Beispielen indigener Völker und nicht-menschlicher Primaten, doch selbst bei diesen konnte gezeigt werden, dass gemeinsame Interessen der primäre Aspekt für das Formen von Gruppenverbänden sind, während Verwandtschaft und Familienzugehörigkeit nur einige von vielen sozialen Faktoren darstellen. So finden sich z.B. Meerkatzen auch zu außerfamiliären Gruppen zusammen, wenn dies durch ökonomische und andere soziale Bedingungen begünstigt wird. Ähnliches gilt für die militärischen Verbände frühneuzeitlicher Staaten und Nationen. Auch hier bestand in der Regel keine Verwandtschaft zwischen den Soldaten einer Truppe.

Aus dieser empirischen Grundlage ergibt sich die Schlussfolgerung, dass menschliche Sozialverbände aufgrund kognitiver Grenzen nicht mehr als ca. 150 – 250 Individuen beinhalten können sollten. Innerhalb dieser Dimensionen ist aber prinzipiell die Existenz einer kollektiven Identität, z.B. aufgrund von Verwandtschaft und familiären Bünden, denkbar. Doch wenn wir uns das soziale und politische Geflecht der Spezies Mensch anschauen, dann wird schnell klar: Nur noch sehr wenige menschliche Gruppen weisen diese verhältnismäßig geringen Größen auf. Die Regel sind hingegen Super-Gruppen, Nationalstaaten von der Größe mehrerer Millionen Individuen, die sich als kohärente Gesellschaft verstehen und die für Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte stabil bleiben können. Faktoren wie Verwandtschaft können hier nahezu keine Auswirkungen auf die Stabilität dieser Gesellschaften haben, da die schiere Größe dieser Super-Gruppen die kognitiven Fähigkeiten und damit den bewussten und unbewussten Wahrnehmungshorizont des Individuums überschreitet. Der Verwandtschaftsgrad zwischen einem Menschen in Berlin und einem Menschen in München ist für beide Personen nicht erfassbar, vor allem dann nicht, wenn sich diese beiden Personen möglicherweise niemals begegnen und keine direkten sozialen Interaktionen pflegen können. Stabilität und Kohärenz von modernen Gesellschaften muss also durch andere Methoden erzeugt und ermöglicht werden.

Dunbar liefert auch dafür einen Erklärungsansatz. Er schlussfolgert aus den vorhandenen Daten, dass die Entstehung von Sprache eine logische Konsequenz war, um das Problem der maximalen Gruppengröße in der menschlichen Spezies zu überbrücken. Alle Super-Gruppen wie z.B. Nationalstaaten bestehen aus vielen kleineren Zusammenschlüssen von Menschen, in der Soziologie als soziale Gruppe bezeichnet, die sehr selten größer als hundert Personen sind. Intensive soziale Bindungen sind laut einer Arbeit der Autoren Christian Buys und Kenneth Larsen aus dem Jahr 1979 sogar nur zwischen maximal 10 – 12 Individuen möglich. Übersteigt die Gruppengröße die kognitive Erfassungsfähigkeit der Individuen, müssen mit Hilfe von Sprache abstrakte Abgrenzungen wie z.B. Hierarchien, Stände oder Klassen geschaffen werden.

Sprache ermöglicht einerseits die Kategorisierung von Individuen in Typen bzw. Arten, wodurch diese als Gruppe zusammengefasst werden können und erlaubt andererseits Individuen mit den richtigen Verhaltensregeln gegenüber diesen Gruppen zu instruieren. Als Beispiel führt Dunbar optische Merkmale und bestimmte Kleidungsstile an, wie z.B. den Römerkragen von Priestern oder die Uniformen von Polizisten und Soldaten, durch welche signalisiert wird, wie der Einzelne mit Mitgliedern dieses Berufsstandes oder dieser Klasse umzugehen hat. Dadurch reduziert sich die kognitive Belastung des Individuums, da nun nicht mehr zu jedem einzelnen Mitglied einer bestimmten Gruppe soziale Bindungen eingegangen werden müssen, sondern allgemeine Verhaltensregeln auf eine spezifische Gruppe angewendet werden können. Dadurch sind hierarchisch strukturierte Gesellschaften von mehreren hunderttausend bis Millionen Individuen möglich.

Doch Dunbar weist mehrfach in seiner Arbeit daraufhin, dass auch Sprache kein perfektes Mittel ist, um die Stabilität und Kohärenz von Super-Gruppen zu gewährleisten. Je größer die Gruppe, desto loser werden die Bindungen und desto stärker wird die Gefahr, dass Super-Gruppen kollabieren. Als Nachweis beruft er sich hier auf den Untergang der meisten großen Imperien und Reiche im Verlauf der Geschichte, seien es nun das römische, persische oder mongolische Imperium oder aus der jüngeren Zeit, das British Empire.

Je größer eine Super-Gruppe wird, desto mehr Abstraktionsfähigkeit wird von den Individuen innerhalb der Super-Gruppe gefordert. Es ist naheliegend, dass auch hier das kognitive Maximum von 150 – 250, nun nicht mehr Individuen, sondern verschiedenen Kategorisierungen greift. Mit zunehmenden Wachstum der Super-Gruppe müssen mehr und mehr formelle Regeln wie Gesetze und soziale bzw. kulturelle Umgangsformen geschaffen werden um die Stabilität zu wahren. Liberale und autoritäre bzw. individualistische und kollektivistische Systeme schlagen für die Lösung dieses Problems unterschiedliche Wege ein: Da kollektivistische Ideologien die Super-Gruppe als Priorität betrachten und im Zweifel die Individualrechte des Einzelnen ignorieren und übergehen, wird die größer werdende Notwendigkeit von Stabilität  mit deutlichen und kompromisslosen Forderungen zur Disziplin sowie blindem Vertrauen gegenüber der Super-Gruppe selbst und ihren Zielen durchgesetzt.

Der Blick in die Geschichte zeigt, dass sich in kollektivistischen Systemen verschiedene autoritäre Konzepte zur Wahrung der Stabilität etablierten. Um den Einzelnen zum Verzicht seiner Individualrechte zugunsten des Kollektivs zu bewegen, wurde nicht selten die Existenz vermeintlicher Verwandtschaftsverhältnisse zwischen allen Gruppenmitgliedern heraufbeschworen. Mit der Berufung auf die angebliche Existenz einer gemeinsamen Familie und Abstammung konnte das Individuum bis hin zur völligen Selbstaufopferung getrieben werden, da die Bereitschaft einem Verwandten zu unterstützen ungemein größer ist als dies gegenüber einem nicht-verwandten Individuum der Fall wäre. Indem ein Trugbild des Kollektivs als eng miteinander-verwandte Gemeinschaft geschaffen wurde, war es einfach das Individuum mit den Gruppeninteressen in Einklang zu bringen und Querdenker oder Abweichler zu sanktionieren.

Formalisiert wurden diese Vorgehensweisen in den Ideen von z.B. Ehre und bedingungsloser Loyalität gegenüber der eigenen Nation. Begrifflichkeiten wie Vaterland oder im Englischen „Motherland“ bzw. „mother country“ zeugen noch immer von der Konstruktion des Kollektivs als Familienbund. Mit diesen Werkzeugen war es problemlos möglich, sozialen Druck auszuüben und z.B. durch die öffentliche Bloßstellung als Vaterlandsverräter den Einzelnen zu manipulieren und zu Handlungen zu zwingen, zu welchen er oder sie anderweitig nicht bereit gewesen wäre.

Ob in absolutistischen Systemen des Mittelalters und der frühen Neuzeit, religiösem Fundamentalismus oder den kollektivistischen Staatssystemen der Moderne wie Kommunismus und Faschismus, die mit ihrem totalitären Anspruch das Wesen des Individuums selbst innerhalb der Super-Gruppe nach ihrem Wunsch formen wollten; in allen diesen Systemen finden wir die Konzepte von Ehre und Loyalität, häufig in ihren irrationalen und extremsten Ausprägungen. Durch Fehlverhalten oder Missachtung der Werte und Normen eines Systems verhält sich das Individuum schändlich – es begeht eine Ehrverletzung und bringt dadurch Schande über sich und das Kollektiv, wodurch sein Ansehen innerhalb der Gruppe und der gesamten Gruppe leidet.

Ehre als Werkzeug des sozialen Drucks wurde vor allem im Nationalsozialismus massiv durch die Idee der Rassenzugehörigkeit mit vermeintlichen Verwandtschaftsverhältnissen in Verbindung gebracht. „Ehre: Bestand und Bewahrung der eigenen Art, Eintreten und notfalls Sichopfern für die eigene Art und für deren höchste Werte. Gegensatz dazu: Ehrlosigkeit, Verfall, Preisgeben, Verrat, Befleckung der eigenen Art. Ehre kann es nur geben, wenn Bewußtsein der eigenen Art vorhanden ist; wer sich nicht – und sei es unbewusst, instinktiv – zu seiner eigenen Art bekennt, besitzt auch keine Ehre.“ Diese Definition konnte man in deutschen Lexika des Jahres 1937 lesen. Ziel war es das Individuum mit einer vermeintlichen Verwandtschaftsbeziehung – der sogenannten eigenen Art – an das Kollektiv und dessen Interessen zu binden. Der Einzelne wurde somit überzeugt – oder besser gesagt gezwungen – die kollektive Identität zum Teil seiner persönlichen Identität werden zu lassen oder seine persönliche Identität sogar gänzlich mit der kollektiven Identität zu ersetzen.

Moderne Gesellschaften, d.h. westliche liberale Demokratien, basieren zwar ebenfalls auf autoritären und hierarchischen Strukturen, verzichten jedoch weitestgehend auf den Bezug zu künstlich geschaffenen Familienbünden ihrer Bürger. Auch der Ehrbegriff wurde neu definiert und Ehrverletzungen beziehen sich nicht mehr auf die Gesamtgesellschaft, sondern betreffen nur noch die sogenannte “innere Ehre” des Einzelnen.

Liberale Gesellschaften erkennen an, egal ob bewusst oder unbewusst, dass das Individuum die kleinste und wichtigste Einheit innerhalb der Super-Gruppe ist und gemeinsame, positive Interaktionen zwischen diesen Individuen in erster Linie auf Basis von freiwilliger Kooperation und nicht auf Grundlage tatsächlicher oder erdachter Verwandtschaftsverhältnisse stattfinden. Sie erkennen außerdem an, dass sich Gruppeninteressen organisch aus der gemeinsamen Interaktion und Diskussion ergeben und diese nicht durch eine Führungselite vorgegeben werden müssen. Weiterhin sollen autoritäre Strukturen auf das Notwendigste reduziert werden und deren höchstes Ziel soll die Förderung der möglichst reibungslosen Kooperation zwischen allen Individuen der Super-Gruppe sein.

Die Grundlage dieser Kooperation stellt der sogenannte reziproke Altruismus dar. Dieser ist eine fundamentale Verhaltensweise des Menschen und vieler nicht-humaner Spezies, welche bereits lange vor der Existenz von Gesellschaften und Kulturen für die Entstehung von kooperativem Verhalten als Mittel zur Erhöhung der biologischen Fitness verantwortlich war. Um zu verstehen, wie reziproker Altruismus die Bildung liberaler Gesellschaften begünstigt und rechtfertigt, müssen wir nun einen kleinen Exkurs in die evolutionsbiologische Verhaltensforschung vornehmen.

[Reziproker Altruismus und liberale Gesellschaften]

Die Frage danach, wie sich Kooperationsverhalten in Lebewesen entwickeln konnte, blieb für lange Zeit ein ungelöstes Rätsel der biologischen Forschung. Doch nicht nur die regelmäßig beobachteten Fälle von Kooperation warfen Fragen auf: Menschen und Tiere zeigen häufig in verschiedenen Situationen ein scheinbar selbstloses, d.h. altruistisches Verhalten gegenüber ihren Artgenossen oder sogar nicht-verwandten Organismen. Da es Zeit- und Energiekosten verursacht, wenn ein Individuum einem anderen hilft, ohne dafür eine direkte und äquivalente Gegenleistung zu erhalten, gab es keine schlüssige Erklärung für die Entwicklung von altruistischem Verhalten. Im Jahr 1964 veröffentlichte William Hamilton seine Theorie der Verwandtenselektion, mit der es zumindest in Teilen möglich war das Vorkommen von Kooperationsverhalten in biologischen Organismen zu erklären. Die Grundannahme Hamiltons war es, dass, weil nah verwandte Individuen einen bestimmten Anteil derselben Gene gemein haben, es für ein Individuum vorteilhaft ist ein Familienmitglied ohne direkte Gegenleistung zu unterstützen. Selbstloses Verhalten kann in diesem Kontext die Chancen dafür erhöhen, dass das eigene Erbgut an die nachfolgende Generation weitergegeben wird. Die Bereitschaft mit der ein Individuum ein Familienmitglied selbstlos unterstützt, kann auf Grundlage des tatsächlichen Verwandtschaftsgrads berechnet werden. Diese nimmt mit zunehmend geringerem Verwandtschaftsverhältnis kontinuierlich ab.

Wie lässt sich jetzt jedoch kooperatives Verhalten ohne unmittelbare Gegenleistung in Organismen erklären, die keine nahen Verwandtschaftsverhältnisse aufweisen? Sieben Jahre nach Hamilton, im Jahr 1971, stellte Robert Trivers seine Theorie des reziproken Altruismus in der Wissenschaftswelt zur Diskussion. Trivers erläuterte seine Theorie anhand des sogenannten Gefangenendilemma:

Das Gefangenendilemma ist ein mathematisches Gedankenexperiment bei dem zwei Gefangene (oder allgemeiner: zwei Spieler) beschuldigt werden gemeinsam ein Verbrechen begangen zu haben. Beide Gefangene werden einzeln verhört und können keinen Kontakt zueinander aufnehmen. Es existieren folgende Möglichkeiten für die Gefangenen: Sie können die Tat entweder leugnen oder durch ein Geständnis den anderen verraten. Leugnen beide erhalten beide eine einjährige Haftstrafe. Gestehen und verraten die beiden den jeweils anderen, erhalten beide eine zweijährige Haftstrafe, aber nicht die Höchststrafe. Gesteht jedoch nur einer der beiden und verrät damit den anderen, so entgeht dieser jeglicher Strafe und wird als Kronzeuge freigesprochen, während der Verratene die Höchststrafe von 3 Jahren Haft erhält.

Das Dilemma der beiden Gefangenen besteht nun darin, dass sie sich dafür entscheiden müssen zu leugnen oder den anderen zu verraten, ohne dessen Entscheidung zu kennen.

Gefangener B Gefangener A
Leugnen Verraten
Leugnen 1 Jahr Haft | 1 Jahr Haft 0 Jahre Haft | 3 Jahre Haft
Verraten 0 Jahre Haft | 3 Jahre Haft 2 Jahre Haft | 2 Jahre Haft

Den größten Vorteil kann ein Gefangener erlangen, wenn er den anderen verrät. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass beide Gefangenen grundsätzlich sowohl rational als auch eigennützig handeln, dann werden beide zwangsläufig den jeweils anderen verraten. Dadurch erhalten beide eine 2-jährige Haftstrafe, länger also, als wenn beide die Tat geleugnet und damit kooperiert hätten. In einer einmalig stattfindenden Interaktion kann es zwar von Vorteil sein das Risiko einzugehen die Option des Betrugs zu wählen, in sich wiederholenden Gefangenendilemmas bildet sich jedoch immer die Kooperation als stärkste Strategie heraus, da sie das beste Ergebnis für beide Gefangenen erzeugt.

Übertragen wir die Regeln dieses Gedankenexperiments nun auf die reale Welt, dann lässt sich feststellen, dass Interaktionen zwischen Individuen häufig eine nicht endende Folge von Situationen darstellen, die dem Gefangenendilemma sehr ähnlich sind. Vor allem der Mensch ist dafür ein gutes Fallbeispiel: Frühmenschliche Lebensstile waren durch regelmäßige, direkte Interaktionen geprägt, in denen Individuen z.B. Waren und Dienstleistungen untereinander austauschten. Hierbei war es für die jeweiligen Parteien nicht sofort ersichtlich, wie sich das Gegenüber verhalten würde. Würde man sich an die getroffenen Absprachen halten oder bestand die Gefahr einem Betrüger gegenüberzustehen? Was wäre die beste Verhaltensweise? Kooperation oder das Gegenüber zuerst betrügen?

Selbst unter der Annahme, dass Individuen ausschließlich bewusst und rational handeln sowie nur den eigenen Vorteil im Blick haben, führt kooperatives Verhalten über den Verlauf sich wiederholender Interaktionen immer zu einem besseren Ergebnis, als durch den einmaligen Betrug gewonnen werden könnte. Dadurch entwickeln sich in sozialen Verbänden, unabhängig vom Verwandtschaftsgrad, gegenseitige Vertrauensverhältnisse zwischen interagierenden Individuen. Diese können sich nicht nur überraschend schnell etablieren, sie weisen auch eine hohe langfristige Stabilität zwischen Geben und Nehmen auf. Kooperatives Verhalten erhöht somit die biologische Fitness von Individuen, was damit zu einer Selektion genau der Merkmale führt, die wiederum das Entstehen von weiteren, noch stabileren kooperativen Verhältnissen fördern.

Doch das Entstehen kooperativer Verhaltensweisen zwischen nicht-verwandten Individuen lässt sich nicht nur aus einer biologischen bzw. evolutionären Perspektive erklären. Christopher Stephens veröffentlichte im Jahr 1996 eine wissenschaftliche Arbeit über mathematische Modelle, mit denen die Theorie des reziproken Altruismus eindrücklich untermauert werden konnte. Als Beispiel führte er hierfür das kooperative Verhalten von Anubispavianen an, bei dem sich zwei Männchen verbünden, um gemeinsam gegen einen Rivalen und für ein Weibchen zu kämpfen. Nur der Anubispavian, der um Hilfe gebeten hat, paart sich im Anschluss mit dem Weibchen. Der Unterstützer geht leer aus, trägt aber trotzdem das Risiko des Kampfes. Stephens spricht hierbei von einer nicht-simultanen Kooperation bzw. einer verzögerten Kooperation. Das Verhalten des Unterstützers beruht darauf, dass er in einer zukünftigen Situation ebenfalls auf die Hilfe des anderen Anubispavian vertrauen kann.

Als weiteres Beispiel führt Stephens in seiner Arbeit Vampirfledermäuse an. Individuen dieser Spezies zeigen altruistisches Verhalten, in dem sie anderen Fledermäusen, die bei der Jagd nicht erfolgreich waren, Blut spenden. Sie erbrechen das zuvor getrunkene Blut ihrer Beute und versorgen damit andere, hungernde Fledermäuse, selbst wenn mit diesen kein Verwandtschaftsverhältnis besteht. Auch hier beruht das Verhalten auf einer erwarteten Gegenseitigkeit. In einer darauffolgenden Nacht können die Rollen von Geber und Nehmer tauschen.

In diesem Beispiel lässt sich noch eine weitere, evolutionär-entwickelte Verhaltensweise erkennen: In Laborexperimenten konnte gezeigt werden, dass die spendende Fledermaus ihr Verhalten einstellt, wenn die annehmende Fledermaus das altruistische Verhalten zu einem späteren Zeitpunkt nicht erwidert. Es entstand also nicht nur reziprok-altruistisches Verhalten auf evolutionärem Wege, sondern auch die Fähigkeit Betrüger zu erkennen. Betrüger zerstören das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen und Individuen, welche nicht in der Lage waren Betrug zu erkennen und sich stattdessen weiterhin selbstlos verhielten fielen zwangsläufig dem Selektionsdruck zum Opfer.

Können wir nun für die Existenz des reziproken Altruismus beim Menschen weitere Beispiele finden? Definitiv und das sogar noch deutlicher und vielfältiger als bei nicht-humanen Spezies. Als Beispiele finden sich das kooperative Verhalten gegenüber Familienmitgliedern, aber auch nicht-verwandten Individuen in Freundschaften und Partnerschaften. Oder der Zusammenschluss nicht-verwandter Individuen zu Gesellschaften, in denen diverse Arten und Formen der Arbeitsteilung betrieben werden. Außerdem zeigen menschliche Sozialverbände einzigartige und hochkomplexe Phänomene von Kooperation, welche vom gemeinsamen Aufbau eines Hauses bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen ganzen Nationen reichen, in denen sich unzählige, nicht-verwandte Individuen für das Erreichen gemeinsamer Ziele aufopfern.

Reziproker Altruismus ist also eine Verhaltensweise menschlicher und nichtmenschlicher Organismen, mit der sich auf Basis evolutionärer Prozesse und mathematischer Regeln erklären lässt, wie und warum sich sonst ausschließlich eigennützig handelnde Individuen gegenseitig unterstützen. Und das selbst wenn es für den Unterstützer bedeutet, zumindest kurzfristig den Verlust von Zeit-, Energie- oder Ressourcen in Kauf nehmen zu müssen, um dann zu einem späteren Zeitpunkt die Erträge seines scheinbar selbstlosen Verhaltens zu erhalten. Doch die Theorie des reziproken Altruismus bietet noch weitere Erklärungsansätze für Phänomene des sozialen Miteinanders.

Wie bereits im Beispiel der Vampirfledermäuse erwähnt, war es eine notwendige evolutionäre Parallelentwicklung, dass betrügerisches Verhalten in sozialen Interaktionen erkannt werden konnte. Schließlich hätte ein Individuum, welches sich regelmäßig ausnutzen lässt, nicht lange überleben können. Doch auch auf der Seite des Betrügers lassen sich interessante soziale Phänomene mit Hilfe des reziproken Altruismus erklären.

Die Autoren Timothy Ketelaar und Au Wing Tung konnten in einer ihrer Arbeiten aus dem Jahr 2003 zeigen, dass Probanden von einem Schuldempfinden berichten, nach dem sie selbst betrügerisch gehandelt hatten oder durch die Regeln des Experiments dazu gezwungen wurden einen anderen Probanden zu betrügen. Die Probanden nahmen an einem sogenannten Verhandlungsspiel teil, welches grundlegend den Regeln des Gefangenendilemma folgte. Als Folge des Schuldempfindens erhöhte sich jedoch gleichzeitig die Bereitschaft dieser Probanden im weiteren Spielverlauf mit anderen Spielern zu kooperieren. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Empfindung von Schuld, oder allgemein die Fähigkeit Empathie zu empfinden, einen parallel zum reziproken Altruismus entwickelten Mechanismus darstellt, welcher geschädigte persönliche Beziehungen wieder reparieren und das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen wiederherstellen soll.

Doch nicht nur Schuldempfinden, auch andere Emotionen treten in diesem Zusammenhang auf: Probanden, die an diesen oder ähnlichen Verhandlungsspielen teilnehmen und sich am anderen Ende des betrügerischen Akts befinden, berichten von Wut oder Zorn sowie dem Verlangen dem Betrügenden Schaden oder Kosten zuzufügen. Aus diesen Emotionen ergibt sich also der Wunsch nach Rache, welcher sich ebenfalls in vielen kulturellen Kontexten wiederfinden lässt. Das komplexe System aus Empathiefähigkeit, Wut- und Schuldgefühlen bildet also einen zusätzlichen Aspekt, welcher das Konzept des reziproken Altruismus unterstützt.

Die Theorie des reziproken Altruismus bietet somit Erklärungen dafür, warum wir uns schuldig fühlen, wenn wir ein anderes Individuum ausgenutzt haben und wieso wir wütend werden, wenn wir herausfinden, dass wir betrogen wurden. Dieses System ist damit außerdem eine mögliche Ursache dafür, warum verschiedene Formen von Betrug universell abgelehnte und geradezu verhasste Verhaltensweisen sind. Betrügerisches Verhalten war und ist in allen bekannten Kulturen negativ konnotiert, geht es hierbei nun um Ehebruch, Lügen, Opportunismus oder Verrat. Die Reaktion auf einmal erkanntes betrügerisches Verhalten ist in der Regel ad hoc, d.h. spontan und intuitiv – basiert also auf unseren Emotionen, die wiederum unser moralisches Grundempfinden bestimmen und beeinflussen.

Positive soziale Interaktionen durch Kooperation, das organische Entstehen von Gruppeninteressen und die Grundlage für moralisches Handeln – das alles sind intrinsische Eigenschaften, die durch jahrtausendelange evolutionäre Prozesse zum Teil der Conditio humana – also der Natur des Menschen – geworden sind. Keine dieser Eigenschaften wird erst durch Kultur, Gesellschaft oder kollektive Identität zum Teil der persönlichen Identität des Individuums. Nein, ganz im Gegenteil. Diese intrinsischen Eigenschaften bilden den Grundstein, auf dem sich Kultur, Gesellschaft und kollektive Identität erheben können. Mit allen ihren positiven und negativen Effekten.

[Identitätspolitik als Gefahr für westliche Werte und liberale Gesellschaften]

Schlagen wir nun wieder den Bogen zu unseren Ausgangsfragen: Gibt es Hinweise auf biologische bzw. evolutionäre Grundlagen von kollektiver Identität? Ja, zumindest dann, wenn es sich um Kleingruppen von Menschen bis zu maximal 250 Einzelpersonen handelt. Alles darüber hinaus lässt sich aufgrund irrelevant werdender Verwandtschaftsverhältnisse und den Folgen der Dunbar-Zahl nicht auf biologischer Grundlage rechtfertigen. Alle Bestrebungen zu kollektiver Identität über dieses Limit hinaus müssen durch Sprache geschaffen und damit durch soziale Normen konstruiert werden. Kollektive Identität wie wir sie heute in Form von Identitätspolitik beobachten können ist somit, im Gegensatz zu persönlicher Identität, eine rein soziale Konstruktion und kann folglich auf Basis völlig beliebiger Merkmale und Kriterien erschaffen und geformt werden. Eine Begründung von kollektiver Identität kann sich also nicht auf Tradition, Geschichte oder Verwandtschaft bzw. Abstammung berufen, sondern muss explizit darlegen, warum die gewählten Merkmale und Kriterien eine Grundlage für die kollektive Identität bilden und diese rechtfertigen.

Soziale Konstruktion allein widerlegt jedoch nicht die Sinnhaftigkeit und den möglichen Nutzen einer kollektiven Identität. Lassen sich also Gründe dafür finden, warum ein autoritäres und kollektivistisches System einem liberalen und individualistischen System vorzuziehen wäre?

Liberale Gesellschaften stützen sich auf die eigenständige, individuelle Interaktion ihrer Bürger. Diese Systeme beruhen auf der Annahme, dass durch den Fokus auf das Individuum und dessen Freiheiten und Rechte die maximale Menge an Vorteilen und das größtmögliche Wohlergehen aller Mitglieder der Gesellschaft erreicht werden kann. Dass ein liberales System funktionieren und die genannten Ziele erfüllen kann, lässt sich mit der Existenz des reziproken Altruismus erklären und begründen.

In diesem Zusammenhang muss jedoch erwähnt werden, dass auch der reziproke Altruismus kein perfektes System darstellt. 1. Verwandtenbevorzugung findet auch unter der Annahme statt, dass Individuen auf reziprok-altruistischer Basis interagieren. 2. Das Kooperationsverhalten ist nie wirklich altruistisch, sondern beruht auf der Erwartung von Gegenseitigkeit. 3. Betrug kann eine lohnenswerte Option sein, wenn es sich um einmalige Interaktionen handelt und wenn der Betrügende glaubt unbeobachtet zu sein bzw. ungeschoren davonkommen zu können.

Labor-Experimente, wie in der Studie “Evidence for strategic cooperation in humans” von Maxwell Burton-Chellew und Kollegen aus dem Jahr 2017, zeigen, dass kooperatives, strategisches Verhalten im Menschen zwar sehr deutlich ausgeprägt ist, aber vor allem durch die Wahrnehmung durch andere Individuen beeinflusst wird. Die in der Studie untersuchten Probanden nahmen an einem Spiel teil, in dem sie zu Beginn eine bestimmte Menge an Geld erhielten und dieses entweder für sich behalten oder in ein öffentliches Konto einzahlen konnten. Am Ende der Runde wurde das Geld im öffentlichen Konto vervielfacht und dann zu gleichen Anteilen an alle Teilnehmer ausgezahlt. Spieler konnten also entweder kooperieren, indem sie ihr Geld in das öffentliche Konto einzahlten und somit den Gewinn für alle anderen Spieler, also zum Wohl aller, erhöhten. Oder sie konnten die anderen Mitspieler betrügen, indem sie eigennützig handelten, nichts einzahlten und dann trotzdem am Ende Geld aus dem öffentlichen Konto erhielten.

Glaubten die Probanden, dass ihre Entscheidung für die anderen Spieler unsichtbar bleiben würde, machten sie häufiger von der Möglichkeit Gebrauch das Geld einzubehalten. Wurde den Probanden jedoch gesagt, dass ihre Entscheidung für die anderen Spieler sichtbar sein würde, verdreifachte sich ihre Kooperationsbereitschaft und sie zahlten entsprechend häufiger in das öffentliche Konto ein.

Liberale Gesellschaften müssen sich dieser Realität stellen und diese mit Hilfe autoritärer und hierarchischer Strukturen kompensieren. Auch die liberalste Gesellschaft braucht Regeln und Gesetze, staatliche Institutionen und ein Justizsystem zur Schlichtung von Konflikten. Die positive und gegenseitige Kooperation zwischen den Individuen soll gefördert und so reibungslos wie möglich gestaltet werden. Höchste Priorität hat hierbei aber immer das Sparsamkeitsgebot und die Notwendigkeit von autoritären Strukturen muss kontinuierlich ausdiskutiert und ausreichend begründet werden.

Kollektivistische Systeme beruhen hingegen auf der Annahme, dass das Erreichen der festgelegten Gruppeninteressen mit dem maximalen Wohlergehen jedes einzelnen Individuums gleichzusetzen ist. Diese Gesellschaften verfolgen somit kein Sparsamkeitsgebot, da ein Mehr an autoritären Strukturen und Hierarchien positiv für die festgelegten Gruppeninteressen ist. Gesetze und Regeln sollen die Freiheiten des Individuums bis ins kleinste Detail festlegen bzw. einschränken, insofern es für das Kollektiv von Vorteil ist. In diesen Gemeinschaften müssen Individualrechte kontinuierlich ausdiskutiert und hinreichend begründet werden, wobei für die Debatte darüber häufig nur ein kleiner Teil des Kollektivs verantwortlich ist. Zur Einhaltung der Ordnung und als Mittel gegen Abweichler wird eine kollektive Identität geschaffen und forciert, bis diese Teil der persönlichen Identität jedes Individuums wird. Kollektivistische Systeme und die jeweils eingesetzte kollektive Identität bergen somit ein hohes Risiko des Machtmissbrauchs und der willentlichen Manipulation aller Individuen.

Um zu demonstrieren wie Machtmissbrauch und Manipulation aus kollektiver Identität und kollektivem Gedankengut entstehen können, muss nicht einmal in die Schreckenskiste der Vergangenheit gegriffen werden. Aktuelle identitätspolitische Bestrebungen in vielen westlichen, liberalen Gesellschaften haben zur Fragmentierung der Bevölkerung in politische Gruppen auf Basis von demographischen Merkmalen geführt. Nicht Ideen und durch Diskurs geschaffene gemeinsame Ziele und Interessen sind die treibende Kraft hinter diesen Kollektiven; nein, die Hautfarbe, die Herkunft oder das Geschlecht einer Person bestimmen das politische Handeln.

Nicht nur, dass die Abgrenzung durch demographische Merkmale die Möglichkeit einer Kompromissfindung zwischen diesen Kollektiven unmöglich macht; politische Argumente sind zu einem Verweis auf die Zugehörigkeit des Gegenübers zu einer bestimmten Gruppe bzw. einer bestimmten kollektiven Identität verkommen.
Gleichzeitig wird die eigene Gruppenzugehörigkeit als Scheinargument verwendet, um andere von den eigenen politischen Zielen zu überzeugen. Innerhalb dieser durch Identitätspolitik geschaffenen Gruppen zählt nicht mehr der unabhängige Gedanke und die Interessen des Individuums, sondern die persönlichen Interessen von einer kleinen, überschaubaren Führungsriege oder eines einzelnen Vordenkers. Der oder die Chefideologen bestimmen die Marschrichtung, der restliche Teil der Gruppe besteht aus Mitgliedern und Mitläufern, die sich durch sozialen Druck und Konformitätswunsch der vorgegebenen Gruppenmeinung anpassen. Kollektivismus und kollektive Identität sind somit die Brutkammer tribalistischen Denkens und der geist- und gedankenlosen Verfolgung ideologischer Dogmen.

Identitätspolitik führt zur fortschreitenden Balkanisierung unserer Gesellschaften, zur Milieubildung auf Basis kollektiver Identität. Identitätspolitik fördert somit nicht die Kohärenz einer Gesellschaft, sondern erzeugt eine Vielzahl an Gruppen zwischen denen keinerlei Diskurs oder sogar Kompromiss möglich ist. Sie führt zur maximalen Zersplitterung in kollektive Identitäten, der absoluten Abgrenzung des Eigenen zum Anderen und zerstört damit ein funktionierendes politisches und gesellschaftliches Miteinander.

Die Frage danach, ob sich Gründe dafür finden lassen, warum ein kollektivistisches System einem individualistischen System vorzuziehen wäre, lässt sich also mit einem klaren Nein beantworten.

[Zusammenfassung]

Die intellektuelle Unredlichkeit und fehlende Selbstreflexion derjenigen, die ein Argument sinngemäß mit “Ich als schwarze Frau…” oder “Ich als patriotischer Europäer…” einleiten, ist im besten Falle so belustigend wie die zahlreichen Parodien von auf die Spitze getriebener identitätspolitischer Handlungen. Abseits der offensichtlichen Extreme wäre es jedoch durchaus ein legitimer Einwurf die Frage zu stellen, ob wir denn nicht einfach nur die schlechte und destruktive Identitätspolitik der SJWs, selbsternannten Verteidiger des Abendlandes, islamistischer Fundamentalisten und der Black oder White Supremacists abwerfen sollten, gleichzeitig aber die vermeintlich positiven, gesellschaftsförderlichen Formen der Identitätspolitik und kollektiver Identität beibehalten sollten. Schließlich sind wir Menschen im Kern ja dennoch tribalistisch-denkende Wesen und politische Handlungen lassen sich nur über kollektive Vorgehensweisen realistisch umsetzen.

Die identitätspolitischen Bestrebungen der letzten Jahre schlagen in genau diese Kerbe. Deren politischen Forderungen, wie z.B. die der Identitären Bewegung, lesen sich unter anderem wie folgt: Die Verteidigung des Eigenen, das Bekennen zu seiner eigenen Kultur und Tradition, der Erhalt der eigenen ethnokulturellen Identität. Unabhängig davon, dass Begrifflichkeiten wie Kultur, Tradition und ethnokulturelle Identität nicht definiert werden – und vermutlich auch niemals wirklich trennscharf definiert werden könnten – Abgrenzung auf Basis willkürlich festgelegter Merkmale ist auch hier das Mantra, begründet allein durch Geschichte und Herkunft. Eine unzureichende Begründung, die so nicht akzeptiert werden kann. Geschichte, Herkunft oder Abstammung rechtfertigen nicht die Existenz einer kollektiven Identität, die einer Super-Gruppe – in dem Fall allen Deutschen oder allen Europäern – innewohnen soll.

Doch können diese politischen und gesellschaftlichen Forderungen überhaupt weiter begründet werden, abseits von Gefühlen und persönlichen Wunschdenken? Inwiefern ließen sich außerdem die autoritären Maßnahmen rechtfertigen, die für die Durchsetzung dieser Forderungen zwangsläufig notwendig wären? Das Risiko der Verletzung von Individualrechten, der mögliche Machtmissbrauch, die Manipulation des Einzelnen durch sozialen Druck, Gruppenzwang und Konformitätsdenken – die Probleme kollektivistischer Ansätze treten auch hier hervor, da sie dem Kollektivismus als System selbst zugrundeliegen.

Die Frage sollte darum anders gestellt werden: Müssen wir die Risiken kollektivistischer Lösungsansätze eingehen, weil nur diese die Probleme unserer Zeit lösen können? Zur Beantwortung dieser Frage genügt erneut der Verweis auf die Grundprinzipien liberaler Gesellschaften: Die Entstehung von gemeinsamen Interessen und Zielen durch Kooperation und einen offenen Diskurs benötigt keine kollektive Identität; die intrinsischen Eigenschaften des Menschen – aller Menschen – evolutionär geformt durch reziprok-altruistische Mechanismen, reichen dafür vollkommen aus. Vergleichbares gilt für das Sparsamkeitsgebot in Bezug auf autoritäre Strukturen und Hierarchien. Die Begrenzung von formellen und informellen Regeln auf das absolut notwendige fördert den reibungslosen Ablauf politischer Prozesse und gesellschaftlicher Interaktion. Individualrechte garantieren nicht nur die Freiheiten des Einzelnen, sondern verpflichten gleichzeitig zur Wahrung dieser Rechte für jedes Individuum innerhalb der Gemeinschaft. Betrügerisches Verhalten, welches die Grundprinzipien der Kooperation verletzt kann ohne Weiteres erkannt und durch die notwendigen Institutionen sanktioniert werden.

Alle politischen und gesellschaftlichen Probleme mit denen westliche Gesellschaften aktuell konfrontiert werden, lassen sich also ohne die Etablierung einer althergebrachten oder neu erfundenen kollektiven Identität lösen. Keines der Risiken, die kollektivistische Ansätze mit sich führen muss somit eingegangen werden und keine der politischen und gesellschaftlichen Errungenschaften westlicher, liberaler Demokratien muss aufgrund falsch verstandener Ängste abgeworfen werden. Der Ruf nach Sicherheit ist ein mächtiger Ruf voller Überzeugungskraft und die Grenzziehung in das Eigene und das Andere scheint für viele Menschen verlockend, weil es eine simple Problemlösung verspricht. Doch Sicherheit nach außen ist kein Gewinn, wenn es ein Zerwürfnis nach innen bedeutet.

Identitätspolitik führt, entgegen ihrer Versprechungen, weder zur erhofften Lösung der Identitätskrisen noch zur Beantwortung dringender Sicherheitsfragen. Stattdessen bereitet sie den Weg in ein Sektierertum, geleitet von realitätsfernen Dogmen und führt damit zur irreparablen Beschädigung unserer Gesellschaften. Die Zukunft in der ich leben möchte ist deshalb individualistisch und kein Kollektiv, liberal und nicht autoritär, reich an denkerischer Vielfalt und arm an homogenen Identitäten. Sie ist linksliberal.

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https://www.ratioblog.de/entry/fehlschluss-18-argument-des-althergebrachten-traditionsargument

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Doktorant empfiehlt: tl;dr über Ideologie in der Datenanalyse

tl;dr erklärt uns in diesem Video vier mögliche Interpretationen eines empirischen Befundes (Gender Wage Gap) unter jeweils einem anderen theoretischen Bezugsrahmen: Feminismus, Libertarismus, libertärer Feminismus und Evolutionspsychologie:

Fazit: Erkenntnistheoretische Bezugsrahmen sind am besten geeignet, um Interpretationen aus ideologisch-geprägten theoretischen Bezugsrahmen zu widerlegen. Dieser „Kampf der Ideen“ wird allerdings durch eine Fülle an feministischen Hypothesen erschwert, für die es zwar wenige bis keine empirischen Befunde gibt, diese aber durch permanente Wiederholung und gegenseitige Zitierungen den Status anerkannter Theorien erlangt haben (Patriarchatstheorie, Privilegientheorie, Theorie des Geschlechts als soziale Konstruktion, etc.) und in vielen Personenkreisen innerhalb und außerhalb der Akademia als objektive Fakten anerkannt werden.  Daher müssen empirische Wissenschaftskonzepte eine ausreichende Alternative an Theorien aufbauen, welche anschließend den Platz feministischer Theorien einnehmen können.