Scheinargumente und Fehlschlüsse

Heute wird es ein wenig trockener, dafür aber hoffentlich auch umso informativer. In diesem Video behandele ich häufig vorkommende argumentative Fehlschlüsse und Scheinargumente. Viel Spaß!

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13 Gedanken zu “Scheinargumente und Fehlschlüsse

  1. Es hätten am Beginn vielleicht deutlicher die unterschiedlichen Typen differenziert werden können. Fehlschlüsse im engsten Sinne sind nämlich nur solche wie das erste Beispiel (Bejahung des Konsequens). Bei solchen echten Fehlschlüssen ist der Inhalt völlig egal, sie sind formal immer ungültig. Daher ist eher verwirrend, wenn etwas später auf das Inhaltliche hingewiesen wird.
    Eine wichtige Kategorie, die angedeutet, aber nicht explizit gemacht wird, ist der „Paralogismus“ oder die unabsichtliche (oder bewusste) Verwendung eines mehrdeutigen (äquivoken) Begriffs. D.h. man verwendet gleichlautende, aber inhaltlich leicht verschiedene Begriffe in den unterschiedlichen Prämissen. Damit handeln die Prämissen genaugenommen von verschiedenen Dingen (die Terme können nicht unter Wahrheitserhaltung ausgetauscht werden) und der Schluss wird ungültig.
    (No true scotsman ist vielleicht eine „vulgäre“ Variante davon, indem die Extension eines vorher schon verwendeten Begriffs im Verlauf der Debatte eingeschränkt wird. NB solch eine Einschränkung kann natürlich auch bewusst vorgenommen werden, Erkenntnisgewinn oder eine neue begründbare Differenzierung zeigen.)

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  2. Schöne Beispiele. Was mir immer wieder auffällt (nicht nur beim Thema Feminismus) ist, daß viele Menschen stark emotional agieren, aber wenig mit sauberen Zahlen, Daten und Fakten. Die „gefühlte Wahrheit“, das Gefühl von Plausibilität, werden für stärker gehalten als belegbare Tatsachen.

    Bei sachlichen Gegenargumenten wird so reagiert, als würde der Opponent auch auf Basis von Vermutungen, Behauptungen und Emotionen agieren. Offensichtlich können Feministen sachlichen, logischen und mit Fakten unterfütterten Argumenten nicht folgen – oder wollen dies aus ideologischen Gründen nicht. Glauben steht hier gegen Wissen. Das hat für mich starke Bezüge zum Dunning-Kruger-Effekt mit dem belegt wird, daß eine eigentlich inkompetente Person von ihrer Fach-Kompetenz wesentlich überzeugter ist, als jemand, der sich intensiv mit Fakten beschäftigt hat.

    Ein weiterer Faktor (und fieses aber plausibel klingendes Vorurteil von mir) ist, daß jemand, der bei einem Thema stark emotional beteiligt ist, seine Intelligenz herabsetzt und deshalb oft dumm (oder halbschlau) argumentiert. Durch Studien belegt ist, daß jemand der Angst oder Streß hat (also stark emotionalisiert ist), im Extremfall (Panik) bis zu 40 Punkte seines IQ einbüßen kann. Wie will man mit jemandem vernünftig reden, der zwar sonst normal intelligent ist, aktuell nur über einen IQ von 60 – 70 Punkten verfügt und den jedesmal abgesenkt bekommt, sobald sein Aufreger-Thema wieder angesprochen wird?

    Und da sind wir wieder bei den extremen Simplifizierungen auf der Feministen-Seite (oder jeder anderen Gruppierung, die eher auf Basis von einfachen Glaubenssätzen als auf Basis von (teils komplexen oder komplizierten) Fakten disputiert. Es ist gar nicht mehr die Kapazität da, um komplexe Zusammenhänge zu verarbeiten oder gar zu begreifen.

    Sobald man aber ein Glaubenssystem (Ideologie, Religion) angreift, schwächt man das Weltbild an das sich der Proponent mit aller Macht klammert. Denn die Weltsicht ist häufig auch das Fundament der Selbstbildes. Wird das Weltbild zerstört, reißt das auch das Selbstbild mit in den Abgrund – und das erzeugt starke Angst. (Da passt auch aktuell dieses krampfhafte Ringen um Sicherheit dazu – auch zum Preis der Einschränkung der Freiheit für alle Anderen).

    Weltbilder, die auf Religion oder Ideologie beruhen, brauchen natürlich eine sich selbst und gegenseitig bestätigende Gemeinschaft, mit Abgrenzung und Dämonisierung von Anderen. Innerhalb der Gemeinschaft herrscht ein mehr oder weniger kuscheliger Zusammenhalt, weil man ja gegen die böse Realität, die das eigene Luftschloß zerstören will, kämpfen muß. Aber auch dieser Zusammenhalt basiert wieder auf Angst, weshalb auch innerhalb einer solchen Gemeinschaft mit Dogma und Höllenfeuer gepredigt wird.

    Das ist ein Teufelskreis, aus dem man nur rauskommt, wenn man bereit ist, sich selbst, seine Glaubenssätze und damit sein eigenes Weltbild in Frage zu stellen. Also für Leute, die Mut und Stärke haben, bestehende Dogmen in Frage zu stellen und die Realität anzuerkennen.

    Das ist jetzt natürlich auch simplifiziert und lässt diverse andere, ebenfalls wichtige Aspekte aus 😉
    Gegen Angst und Glauben kommt man mit Argumenten nur sehr schwer an. Ich habe das Gefühl, daß die Aufklärung in der Gesellschaft grade wieder rückwärts läuft und blinder Glaube wichtiger ist als Wissen.

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  3. Ich sehe da eine suggestive Auswahl von Negativbeispielen. Im Zusammenhang mit dem Plädoyer zu Beginn dieses Videos könnte man das als einen umständlichen Witz deuten. Im Zusammenhang mit deinen anderen Videos halte ich das allerdings für Meinungsmache.

    Was ist mit deinen emotionalen Eigenerfahrungen, Doktorant? Deine Videos kommen auf den ersten Blick im intellektuellen Gewand daher, passend dazu dein Channelname und dein Channelemblem. Letztendlich scheint ein wichtiger Aspekt des Inhaltes allerdings darin zu bestehen, einige Individuen lächerlich zu machen – auch hier wieder eine ähnlich suggestive Auswahl – wobei du zum Teil sogar dieselben Methoden anwendest, die du bei ihnen kritisierst. Das ist nicht besonders sachlich und intellektuell.
    Also mal ehrlich, nachdem du dein eigenes Denken und Handeln geprüft und hinterfragt hast, geht es hier wirklich um die Analyse von Argumenten oder geht es darum, jemandem eins auszuwischen? Vielleicht stellvertretend für jemand anderen?
    Falls letzteres zutreffen sollte, so kann ich dir folgendes aus eigener Erfahrung sagen: dich über sie zu stellen mag kurzzeitig befriedigend sein, erst recht mit der Bestätigung durch die Kommentare deiner Zuschauer. Die spannende Frage ist aber, warum ist das wichtig für dich, über ihnen zu stehen?

    p.s.: In den Videos über den (die,das?) gender pay gap fand ich interessant, was du recherchiert hast. Besonders die Resultate der Untersuchungen dieser Frage in anderen Ländern. Danke dafür.

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    • Ich sehe da eine suggestive Auswahl von Negativbeispielen.

      Sind Negativbeispiele in einem Video über „Fehlschlüsse und Scheinargumente“ nicht zu erwarten?

      Im Zusammenhang mit deinen anderen Videos halte ich das allerdings für Meinungsmache.

      Auf welche Äußerungen trifft das nicht zu? Wenn ich faktenbasiert darlege, warum eine Argumentation fehlerhaft (und damit schlecht) ist, dann forme ich damit logisch zwingend auch die Meinung der Beobachter. Wo siehst du hier das Problem?

      Was ist mit deinen emotionalen Eigenerfahrungen, Doktorant?

      Was soll mit denen sein? Habe ich die (bewusst) in meine Videos einfließen lassen? Falls ja, würde ich mich auf eine entsprechende Zeitangabe im Video sehr freuen. Eine unbewusste Beeinflussung meiner Inhalte und meines Stils durch meinen persönlichen Erfahrungen ist unvermeidlich und ein essentieller Wesenszug jedes Menschen. Man kann nur das Ideal verfolgen, seine eigenen Vorstellungen über die Welt kritisch zu hinterfragen und sich der kritischen Außenbetrachtung nicht zu verweigern. Beide Sachverhalte treffen, aus meiner Sicht, auf mich und meine Verhaltensweisen zu.

      Letztendlich scheint ein wichtiger Aspekt des Inhaltes allerdings darin zu bestehen, einige Individuen lächerlich zu machen – auch hier wieder eine ähnlich suggestive Auswahl – wobei du zum Teil sogar dieselben Methoden anwendest, die du bei ihnen kritisierst.

      Interessant ist hier deine Wortwahl. Es „scheint“ als würde ich Individuen lächerlich machen? Scheint es nur so oder ist das eine Tatsache? Wenn du die Kritik an Aussagen/Ideen nicht von Kritik an einer Person trennen kannst, dann würde ich zuerst einmal den Fehler bei dir suchen. Alternativ kannst du natürlich gerne konkrete Beispiele anführen, an denen ich jemanden lächerlich gemacht habe, anstatt die Inhalte seiner Aussagen zu kritisieren. Ohne entsprechende Belege bleibt deine Aussage unbegründet und wird auch als solche behandelt.

      Also mal ehrlich, nachdem du dein eigenes Denken und Handeln geprüft und hinterfragt hast, geht es hier wirklich um die Analyse von Argumenten oder geht es darum, jemandem eins auszuwischen? Vielleicht stellvertretend für jemand anderen?

      Mir geht es eindeutig um die argumentative Analyse. Falls du hier einer anderen Meinung bist, siehe oben. Ohne Belege und Beispiele, würde ich diesen Abschnitt im böswilligen Fall als Unterstellung einordnen.

      Falls letzteres zutreffen sollte, so kann ich dir folgendes aus eigener Erfahrung sagen: dich über sie zu stellen mag kurzzeitig befriedigend sein, erst recht mit der Bestätigung durch die Kommentare deiner Zuschauer. Die spannende Frage ist aber, warum ist das wichtig für dich, über ihnen zu stehen?

      Das ist deine persönliche Einschätzung. So lange ich eine objektive, faktenbasierte Beurteilung der von mir kritisierten Argumente und Aussagen vornehme, besteht überhaupt kein Problem darin eine Wertigkeit zu postulieren. Ich stelle mich nicht über andere Personen, weil ich denke, dass ich als Individuum besser bin. Ich stelle meine Ideen, meine Aussagen, meine Argumente als die Besseren dar *oder* ich zeige warum die Ideen, Aussagen und Argumente anderer qualitativ schlecht sind. Gleichzeitig halte ich permanent dazu an, jede Aussage (auch meine) kritisch zu prüfen und zu hinterfragen. Für mich ist jede Diskussion und jede konstruktive Kritik willkommen. Leider verpasst du die Gelegenheit, meine Inhalte konstruktiv zu kritisieren, da deine Beurteilung nicht über eine subjektive Einschätzung ohne weiterführende Beispiele und Belege hinausgeht.

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      • Natürlich schreibe ich dir meine subjektive Einschätzung und Wahrnehmung. Was soll ich dir sonst schreiben? Und du erklärst sie einfach für ungültig. Nimmst du mich etwa nicht ernst?

        Ich versuche zu präzisieren und zu erläutern:

        Eine Analogie zu dem, was ich mit suggestive Negativbeispiele und Meinungsmache meine:
        Nehmen wir an, ich mache ein Video über die Haltung von Hühnern. Ich möchte insbesondere darauf hinaus, wie man es nicht machen sollte. Also verwende ich Negativbeispiele zum besseren Verständnis. Die zeigen zufällig fast sämtlich Landwirte aus Baden-Würtemburg. Welchen Eindruck wird das wohl bei den Zuschauern hinterlassen? Keine Ahnung, ich hab nur einen gut mit Fakten belegten Vortrag über Hühnerhaltung gehalten. Um Landwirte ging es eigentlich gar nicht. Oder etwa doch?

        Und jetzt soll ich dir mit Zeitangaben aufschreiben, wo ich finde, dass du andere Menschen in deinen Videos verhöhnst? Damit du mir dann erklären kannst, warum das überhaupt nicht sein kann und sowieso nicht hinreichend belegt ist vielleicht mit der Wikipediadefinition vom Begriff Hohn? Äh nein. Oder soll ich deine Spitzfindigkeiten auseinander nehmen und damit das Thema wechseln (das dann unweigerlich zu wer gewinnt und wer verliert übergeht) Äh nein. Das Spiel lasse ich mal, denn es ist dein Spiel und du hast vermutlich sehr viel Übung darin.

        Ich lese in deiner gesamten Antwort, dass du mir erklären willst, warum das alles nicht sein kann, was ich schreibe und warum du alles richtig gemacht hast. Ich lese, dass du dich mit Haarspaltereien unantastbar machen möchtest. Fühlt sich die Schilderung meiner Wahrnehmung für dich wie ein Angriff an? Was du da schreibst, und wie, klingt für mich sehr nach Verteidigungsmodus. In der Tat lese ich da mehr Verteidigung als Beschäftigung mit meinem Inhalt.
        Da entsteht eine Sackgasse wenn du versuchst, alles auf Argumente und Belege herunter zu brechen, als ginge es um eine Gerichtsverhandlung.
        Für die Leute, deren Videos du da auseinander nimmst, ist Feminismus ein sehr emotionsbelastetes Thema. Deswegen ist da teilweise kein roter Faden zu erkennen. Deswegen kommt da einiges an Irrationalem raus. Deswegen wird die Wahrnehmung selektiv. Deswegen wird die junge Frau mit den orangenen Haaren schon wütend, wenn sie merkt, dass sie nicht die richtigen Worte findet, um auszudrücken, was sie eigentlich meint. Ich habe den Eindruck, das ist für dich auch ein sehr emotional belastetes Thema. Es funktioniert jedenfalls nicht, einem emotionalen Problem mit rationalem Ansatz zu begegnen. Das meine ich mit der erwähnten Sackgasse, denn dadurch löst sich nicht das Gefühl von nichtverstandenwerden. Es wird nur überspielt mit so etwas wie ichhabegewonnen.

        Woher kommt mein Eindruck, das Thema wäre für dich stark emotional belastet?

        Für mein Empfinden geht dein intellektuelles und rationales herangehen in mehreren deiner Videos schnell in Hohn und Spott über. Das kannst du natürlich anders empfinden.
        In deiner Antwort auf meinen Kommentar reitest auf Spitzfindigkeiten herum und ziehst Verallgemeinerungen heran, die vom Thema wegführen, solange du mir irgendwas entgegen setzen kannst, Hauptsache du spielst den Ball zurück, egal ob er im Aus landet oder auf dem Nachbarfeld. Das ist etwa so zielführend, wie meine Kommafehler aufzuzählen. Es sei denn, es geht darum, den Diskussionspartner zu vernichten.
        Ich kenne dieses Muster. Ich sehe es fast täglich, wenn Leute miteinander diskutieren. Es wird viel aneinander vorbei geredet. Den Teilnehmenden ist oft selbst nicht klar, dass es eher um ein Machtspiel als um den rationalen Vergleich von Fakten geht. Zu erkennen daran, dass nicht gefragt wird, was möchte mein Diskussionspartner mir sagen, sondern dass der Diskussionspartner zerpflückt wird.
        Das erste mal habe ich dieses Muster bei mir selbst gesehen. Inzwischen merke ich, es ist allgegenwärtig. Ich arbeite schon eine ganze Weile daran, es loszuwerden. Ich habe inzwischen weniger Stress und weniger Anspannung, seit mein Drang alles zu beweisen weniger geworden ist. Und es fällt mir leichter, andere Leute ernst zu nehmen, die Existenz anderer Ansichten anzunehmen und anderen Leuten zuzuhören, weil ich mir nicht ständig Gründe dafür ausdenken muss, warum sie falsch liegen und ich richtig. Es schleicht sich allerdings immer mal wieder ein, vor allem wenn es um meine „Lieblingsthemen“ geht, diejenigen, die bei mir emotional vorbelastet sein.

        Bin ich jetzt vom Thema abgekommen? Von deinem vielleicht, von meinem nicht. Und ja, das ist alles meine subjektive Wahrnehmung und Einschätzung. Sie mag von deiner Einschätzung abweichen, das ist in Ordnung. Das heißt nicht, dass ich dich nicht ernst nehme. Das heißt nicht, dass einer von uns beiden etwas falsch macht. Du kannst sie annehmen, auch ohne sie zu teilen. Du kannst sie auf dich wirken lassen und hinterfragen. Oder du kannst sie aus Mangel an Beweisen oder wegen unpräziser Formulierungen abschmettern. Stichwort „verpasste Gelegenheit“? 😉

        Kann es sein, dass das mich hier auch irgendwas emotional berührt? Na klar, warum sollte ich sonst Zeit und Energie aufbringen und so viel dazu schreiben?
        Ich denke, ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen.

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      • Ich denke, ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen.

        Ich aber. 😉

        Mir ist wirklich nicht klar, worauf du eigentlich hinaus möchtest. Denn entweder hast du nicht verstanden wie meine Herangehensweise an eine argumentative Analyse funktioniert oder du möchtest hier die Position vertreten „Rationalität und Emotionalität sind gleichwertig“.

        Ich argumentiere nicht emotional und ich analysiere auch nicht emotional. Aus meiner Sicht gibt es eine klare Hierarchie in Bezug auf die „Richtigkeit“ von Argumenten. Und rein subjektive, emotionale, persönliche Meinungen ohne objektive bzw. empirische Belege befinden sich dabei am unteren Ende der Hierarchie. Wenn du mir hier nicht zustimmst, dann können wir das Gespräch tatsächlich beenden und es gibt nichts weiter zusagen. Mein wissenschaftlicher Hintergrund spielt natürlich eine extrem große Rolle dabei, warum ich mich „wie im Gerichtssaal“ verhalte, wenn ich diskutiere oder eine Argumentation bewerte. Dem kannst du zustimmen oder nicht zustimmen, aber dann reden wir eindeutig aneinander vorbei, da du einen völlig anderen Standard (wenn nicht sogar eine völlig andere Weltanschauung) an den Tag legst.

        Mein größtes Problem mit deinen Aussagen ist, dass du nicht konkret wirst. Du verlierst dich in Floskeln und allgemeinen Aussagen ohne klaren Bezug auf meine Argumente oder Äußerungen. Was ist daran konstruktiv? Wie soll ich darauf eingehen, dass du offenbar eine andere Meinung zu der Thematik hast als ich? Das erkenne ich gerne an, aber irgendeinen Mehrwert erhalten wir durch diesen Austausch nicht. Was für dich „Spitzfindigkeiten“ sind, sind für mich konkrete Kritikpunkte, deren Benennung und Analyse relevant ist, wenn du mich davon überzeugen willst, dass ich mein Verhalten ändern bzw. anpassen soll. Wenn du nicht bereit bist diesen Arbeitsaufwand zu vollbringen, dann wird sich nicht viel ändern, da ich dir diese Arbeit nicht abnehmen kann und auch nicht abnehmen würde, wenn ich könnte. So wie ich die Argumentation in den Videos konkret und so objektiv wie möglich auseinandernehme, so würde ich das im Fall von meiner Person auch von dir erwarten. Deine abwertenden Aussagen á la „Das ist ein Spiel für dich“ und „Du verteidigst dich ja, d.h. das muss dich getroffen haben“ stärken deine Position nicht im geringsten, sondern vermitteln mir ausschließlich den Eindruck, dass du keine konkreten Kritikpunkte hast und daher ausweichst.

        Da entsteht eine Sackgasse wenn du versuchst, alles auf Argumente und Belege herunter zu brechen, als ginge es um eine Gerichtsverhandlung. Für die Leute, deren Videos du da auseinander nimmst, ist Feminismus ein sehr emotionsbelastetes Thema. Deswegen ist da teilweise kein roter Faden zu erkennen. Deswegen kommt da einiges an Irrationalem raus. Deswegen wird die Wahrnehmung selektiv.

        Und genau diese emotionale Denkweise kritisiere ich. Sie ist aus meiner Perspektive eindeutig schlechter, als eine rationale und kritische Denkweise. Das bedeutet nicht, dass Emotionen irrelevant sind oder dass ich keine emotionalen Entscheidungen treffe. Im „Kampf der Ideen“ unterliegen emotionale Argumente aber *immer* den rationalen Argumenten mit empirischen Belegen und Nachweisen. Jetzt driften wir jedoch in eine philosophische Diskussion ab, da es sich hier offensichtlich um ein Weltbild handelt. Und auf dieser Ebene haben wir offenbar große Differenzen, denn:

        Es funktioniert jedenfalls nicht, einem emotionalen Problem mit rationalem Ansatz zu begegnen. Das meine ich mit der erwähnten Sackgasse, denn dadurch löst sich nicht das Gefühl von nichtverstandenwerden. Es wird nur überspielt mit so etwas wie ichhabegewonnen.

        Das kannst du gerne so betrachten. Mein Ziel ist es aber auch nicht ein „emotionales Problem“ zu lösen. Mein Ziel sind nicht die besprochenen Personen in meinen Videos. Ich erwarte auch nicht, dass diese sich von meiner Argumentation überzeugen lassen. Mir geht es um die unbeteiligten Zuschauer, die sich beide Positionen anschauen können und dann gegeneinander abwägen sollen, welche davon „richtiger“ ist. Du jedoch scheinst die Emotionalität in einer Argumentation als etwas inhärent schützenswertes zu betrachten, welches auch nicht durch eine rationale Argumentation „widerlegt“ werden kann. Dem stimme ich ganz und gar nicht zu. Das widerspricht der wissenschaftlichen Methode und der Argumentationstheorie, welche beide sehr starke Belege für sich aufzuweisen haben. Das bedeutet nicht, dass du dein Denken nach diesen beiden Sachverhalten ausrichten musst. Erwarte aber nicht, dass ich meine kritische Denkweise ändere, nur weil du eine andere Meinung hast.

        Nehmen wir an, ich mache ein Video über die Haltung von Hühnern. Ich möchte insbesondere darauf hinaus, wie man es nicht machen sollte. Also verwende ich Negativbeispiele zum besseren Verständnis. Die zeigen zufällig fast sämtlich Landwirte aus Baden-Würtemburg. Welchen Eindruck wird das wohl bei den Zuschauern hinterlassen? Keine Ahnung, ich hab nur einen gut mit Fakten belegten Vortrag über Hühnerhaltung gehalten. Um Landwirte ging es eigentlich gar nicht. Oder etwa doch?

        Ok, du spielst also darauf an, dass ich mir bisher hauptsächlich Personen vorgenommen habe, die dem Feminismus bzw. der feministischen Theorie nahe stehen. Das ist korrekt und das lässt sich auch relativ einfach erklären: Meine Interessen. Da ich mich mit dem Themenkomplex „Geschlechterfragen“ schon seit Jahren beschäftige, vertrete ich hier natürlich auch die stärksten Meinungen und besitze das einschlägigste Wissen, um es dann auch in meinen Videos aufbereiten zu können. Ich habe keine Verpflichtung unterschrieben eine „Quote“ zu erfüllen, bei der ich jede „schlechte Argumentation“ gleich häufig auseinander nehme. Die Wahl meiner Themen wird natürlich durch meine persönlichen Interessen, dem aktuellen Zeitgeist und dem Angebot an entsprechenden Argumentationen bestimmt. Eigentlich sollte das doch aber selbstverständlich sein, oder?

        tl;dr: Unsere Betrachtungsweisen der Welt liegen offensichtlich sehr weit auseinander. Eine Diskussion darüber ist also mit hoher Wahrscheinlichkeit fruchtlos, da wir uns nicht einmal auf die Grundannahmen einigen können. In diesem Fall werden wir uns wohl darüber einig sein müssen, dass wir uns uneinig sind.

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  4. Ja, sehr schöner Video-Clip!

    Streng genommen müßte man am Anfang noch zwischen deduktiven und induktiven Argumenten unterscheiden. Induktive Argumente sind nicht schlüssig (nicht zwingend), können aber dennoch sehr stark sein.

    Aber mit dieser Unterscheidung würde Dein Clip freilich noch länger werden und vielleicht auch den ein oder anderen Rezipienten verwirren. Darum wohl besser Mut zur Lücke und weg mit den induktiven Argumenten 😉

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    • Danke! Wie du schon sagst, sollte das nur eine Art Einführung sein. Bisher war die Resonanz aber ziemlich gut und daher würde ich mir vorbehalten in späteren Videos noch mal stärker ins Detail zu gehen. Solche Videos würden dann auch einen schönen Gegenpol zu den etwas unbeschwerteren und unterhaltsameren Antwort-Videos bilden. 🙂

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      • JA, BITTE! Das wäre wundervoll. Ich finde ja die Videos, in denen du Feministen auseinandernimmst, köstlich – hatte mich schon gefreut, mit deinem Kanal eine nicht vulgäre vulgäre Analyse gefunden zu haben – aber über dieses Video habe ich mich nochmal gefreut.
        Du hast offensichtlich die Motivation für dieses Video aus dem Vorhandensein der Beispiele erhalten. Dass du deine Sache aber wirklich gut gemacht hast, zeigt sich darin, dass mir bei deinen Worten Beispiele aus meinem eigenen Leben dazu eingefallen sind.
        Ich habe mich mit diversen Menschen in Diskussionen befunden, in denen ich permanent versucht habe, ihnen klar zu machen, wie sinnwidrig ihre Argumentationsweise ist. Gerade bei Menschen, die einem etwas bedeuten, ist es bedauerlich, mitzuerleben, wie man angegriffen, beleidigt und verteufelt wird, während man versucht, jemandem seinen Irrtum beizubringen, aus einer guten Absicht heraus. Ich habe in eigenen Texten schon versucht, diese Verhaltensweisen zu formulieren und den Betreffenden zum Lesen zu geben aber ich bin im Bereich der Rhetorik nicht sehr bewandert, auch nicht, was fehlgeleitete Rhetorik betrifft. Daher habe ich mich sehr gefreut, dein Video entdeckt zu haben, in dem sich diese Verhaltsenweisen als von allen Seiten erklärbare und in quantifizierbarer Häufigkeit auftretende Phänomene herausstellen, was es leichter macht, sie als solches zu kommunizieren und ggf. einzusehen, dass man selbst dogmatisch denkt. Es ist nämlich schwer, jemandem das als nahestehende Person klar zu machen. Vielleicht versuche ich es auch auf ungeschickte Weise: „Merkst du nicht, was für eine Scheiße du da redest?!“, ist nun mal schwer, als Frage zu behandeln und, dass darauf kein „Nein, bitte zeig es mir auf“, erwidert wird, kann man sich denken. Ich bin eben auch ein emotionales Wesen. Danke jedenfalls für dieses Video und:
        Ich wäre sehr dafür, wenn du losgelöst von der Feminismusthematik Videos über reine Dinge des Geistes machen würdest. Wenn du erklären würdest, was beispielsweise „Logik“ ist, was für „gute“ rhetorische Mittel es gibt… dir wird sicher ne Menge einfallen, in die Richtung halt. Dinge von Geist und Vernunft…
        Sicher ist es für dich viel spannender, aktuelle Dinge zu behandeln und Leute wie ich könnten sich auch einfach ein Buch nehmen und lesen aber trotzdem finde ich, dass sowas auf Youtube nicht überflüssig ist.

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  5. Gibt es eigentlich ein Begriff für so etwas wie ein umgekehrtes ad hominem? Also wenn z.B. einer Aussage mehr Glauben geschenkt wird, weil sie von der „richtigen“ Person kommt? Die Anführungszeichen weil es eben natürlich nicht gleichbedeutend mit einer besonderen Qualifikation zu dem entsprechenden Thema ist.

    Man erlebt ja häufiger, dass ganz klar subjektive Darstellungen von vermeintlichen Opfern (von was auch immer) mehr Beachtung geschenkt wird als von objektiveren Quellen. Wobei man schon an der Art wie selektiv diese ausgewählt werden sieht, dass dies nicht wirklich eine gute Grundlage für ein Argument ist. Nicht jedes Opfer geht auf die gleiche Weise mit dem um was ihm widerfahren ist und kommt daher zu den gleichen Rückschlüssen. Wobei natürlich Leute welche diese „Logik“ nutzen dies größtenteils ignorieren.

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    • „Man erlebt ja häufiger, dass ganz klar subjektive Darstellungen von vermeintlichen Opfern (von was auch immer) mehr Beachtung geschenkt wird als von objektiveren Quellen.“

      Hier spielt wohl auch noch eine Besonderheit der sozialen Kognition eine Rolle. Folgendes Beispiel: Ich lese in einem aktuellen Artikel der Stiftung Warentest: 100 Produkte des Typs X wurden getestet, 92 davon haben „sehr gut“ abgeschnitten, der Rest „gut“. Am nächsten Tag treffe ich meinen Freund, der mir erzählt: „Hab‘ mir letzte Woche ein Produkt vom Typ X gekauft – totaler Schrott, das-und-das funktioniert alles nicht, dazu noch schwachsinniges Design“.

      So, wem glaube ich jetzt? Klar, daß die Meinung meines Freundes mehr zählt als die Bewertung der Stiftung Warentest – obwohl mein Freund gerade mal ein einziges Produkt des Typs X getestet hat, die Stiftung hingegen 100. So denkt der Mensch: ein einziges persönliches Beispiel zählt mehr als Hunderte von Beispielen aus einer unpersönlichen Quelle. Steinzeitdenken eben.

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      • Völlig korrekt! Dieses Verhaltens- und Denkmuster lassen sich auch nicht einfach abstellen und sind ein fester Teil der menschlichen Psyche. Menschen können vor allem mit rein statistischen Daten wenig anfangen, da haben (emotionale) Eigenerfahrungen immer einen größeren Stellenwert, selbst wenn man es eigentlich besser wissen sollte. Daher kann man da nur gegenwirken, wenn man sein eigenes Denken und Handeln regelmäßig hinterfragt und prüft. Man darf sich vor allem nicht aufgrund von falschem Stolz davor drücken, sich einen Fehler einzugestehen. Klar, keiner ist gerne im Unrecht, aber diese Barriere muss man überwinden, wenn man an der Wahrheitsfindung und nicht primär am Aufrechterhalten der eigenen Weltanschauung interessiert ist.

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