Kritisches Denken 101: Induktion und Deduktion

Die tagtägliche Konfrontation mit Artikeln und Kolumnen, welche nicht einmal die Mindeststandards der Logik und Vernunft erreichen – sei es von professionellen Journalisten oder Amateuren, die in ihrer Freizeit bloggen – lässt mich immer wieder ratlos zurück. Oftmals kann ich einen Text nicht mehr lesen ohne dabei innerlich die begangenen logischen und/oder argumentativen Fehlschlüsse mitzuzählen.

Zwei Fragen kommen mir dabei immer wieder in den Sinn: Fehlt den Autoren dieser Artikel die kritische Denkfähigkeit? Oder wird bewusst auf eine korrekte Argumentationsführung verzichtet, wenn es der eigenen Narrative nicht zuträglich ist?

Sollte letzteres zutreffen, lässt sich daran vermutlich nicht viel ändern. Außer die eigene Skepsis zu schärfen, versteht sich. In Anbetracht der ersten Möglichkeit möchte ich hier eine kurze Grundlage für die Anwendung des kritischen Denkens darlegen und mich dabei konkret auf die Schlussverfahren der Induktion und Deduktion beziehen.

Doch bevor wir dazu kommen: Was ist kritisches Denken?

Eine längere Definition findet sich hier. Kurz zusammengefasst beschreibt kritisches Denken die Orientierung und Ausrichtung des eigenen Denkens nach den methodischen Kriterien der Wissenschaft. Sich mit den Kriterien der Wahrheitsfindung, wie sie in der Wissenschaft angewendet werden, auseinanderzusetzen, ist vor allem für Laien eine große Hilfe bei der Beurteilung von Behauptungen und dem Erkennen von Scheinargumenten. Zusätzlich ist die Fähigkeit des kritischen Denkens ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum mündigen Bürger.

Man muss aber nicht reihenweise Bücher oder wissenschaftliche Publikationen wälzen, um den Prozess der kritischen Denkfähigkeit anwenden zu können. Stattdessen reicht es, sich mit ein paar der Grundprinzipien vertraut zu machen. Eines davon sind die beiden Schlussverfahren der Induktion und Deduktion.

Eine Erklärung beider Begriffe: Bei der Induktion schließen wir vom Einzelnen auf das Allgemeine. Konkret bedeutet das, dass man aus einzelnen, empirischen Beobachtungen auf eine allgemeine Theorie oder eine Gesetzmäßigkeit schließt. Wir nehmen also eine Verallgemeinerung vor bei der nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie korrekt ist (siehe auch probabilistisches Schließen). Die vorgebrachten Prämissen müssen also nicht zwangsläufig in einer korrekten Konklusion resultieren. Durch Induktion erlangte Theorien oder Gesetzmäßigkeiten sind dennoch ein erster wichtiger Schritt bei der Wahrheitsfindung.

Ein Beispiel, welches gerne für die Illustration des induktiven Schlussverfahrens verwendet wird:

Prämisse = Alle bisher beobachteten Vögel können fliegen. [Empirische Einzelbeobachtungen]

Konklusion = Alle Vögel können fliegen. [Aufgestellte Gesetzmäßigkeit]

Solange wir keinen Vogel finden der nicht fliegen kann, ist diese Argumentation korrekt. Und je mehr flugfähige Vögel wir bisher gefunden haben, desto wahrscheinlicher ist es, dass unsere Verallgemeinerung ebenfalls korrekt ist.

Es wäre aber ein Fehler an dieser Stelle mit der Wahrheitsfindung aufzuhören. Daher muss im nächsten Schritt die Deduktion erfolgen: Bei der Deduktion schließen wir vom Allgemeinen auf das Einzelne. Eine zuvor aufgestellte allgemeine Theorie oder Gesetzmäßigkeit muss überprüft werden, in dem die Vorhersagekraft dieser Theorie genutzt wird um eine Prognose aufzustellen. Anschließend kann man eine aufgestellte Gesetzmäßigkeit bzw. Verallgemeinerung mit einzelnen, empirischen Beobachtungen entweder validieren oder falsifizieren. Ein wichtiger Unterschied zur Induktion besteht darin, dass es bei der Deduktion keine Wahrscheinlichkeit dafür gibt, ob eine Konklusion korrekt ist oder nicht. Wenn die Prämissen korrekt sind, dann muss zwangsläufig auch die Konklusion korrekt sein, und vice versa.

Um mit unserem Beispiel fortzufahren:

Prämisse = Alle Vögel können fliegen. [Aufgestellte Gesetzmäßigkeit]

Konklusion/Prognose = Der Strauß ist ein Vogel und kann daher fliegen.

Empirische Einzelbeobachtung: Der Strauß kann nicht fliegen.

Durch die empirische Beobachtung stellen wir fest, dass der Strauß zwar ein Vogel ist, aber nicht fliegen kann. Die aus der Prämisse abgeleitete Konklusion ist daher nicht korrekt, wodurch automatisch auch die zuvor aufgestellte Gesetzmäßigkeit nicht korrekt ist und verworfen werden muss. Auf Basis der neuen empirischen Daten können wir jetzt wieder mit der Induktion beginnen und eine neue Gesetzmäßigkeit aufstellen, die dann wiederum geprüft werden muss. Wäre der Strauß ein flugfähiger Vogel, so hätte diese Einzelbeobachtung unsere Gesetzmäßigkeit verifiziert. Wichtig hierbei jedoch: Eine Theorie oder ein Gesetz kann niemals abschließend als wahr befunden werden, da in der Praxis nicht jede mögliche Einzelbeobachtung vorgenommen werden kann. Es kann nur mit jeder Verifikation oder ausbleibenden Falsifikation eine stärkere Annäherung an die Wahrheit erreicht werden.

Hier noch einmal eine Abbildung der beiden Schlussverfahren und ihrer Anwendung:

DeduktionInduktion

Das Grundprinzip von Induktion und Deduktion ist einfach zu verstehen, so lange die gewählten Prämissen und Konklusionen simpel und offensichtlich sind. Wie alles im Leben, sind aber die präsentierten Prämissen und Konklusionen in der Praxis selten einfach, sondern in den meisten Fällen komplex und zusätzlich mit weiteren Prämissen und Konklusionen verschachtelt.

Ein grundsätzliches Problem, welches mir regelmäßig auffällt, ist, dass die Vertreter der am Anfang dieses Textes erwähnten Artikel und Kolumnen nur das induktive Schlussverfahren anwenden und dann aufhören. Einzelbeobachtungen werden aufgezählt und am Ende des Artikels steht eine verallgemeinerte Aussage über den Zustand der Welt. Eine Prüfung erfolgt jedoch nicht. Es ist also dem Leser überlassen, eine Verifikation oder Falsifikation durchzuführen. Oder die Autoren erwarten, dass man ihnen einfach Glauben schenkt.

Ein schönes Beispiel – und Auslöser dafür, dass ich diesen Post verfasse – ist folgender Artikel des Independent mit dem Titel „Sites like Uni Lad only act to support our everyday rape culture“. Dort findet sich mehrfach die unzureichende Anwendung der beiden Schlussverfahren. Ein Textauszug:

When I use the term ‘rape culture’, I don’t mean to exaggerate or sensationalise. I am not referring to isolated incidents, but to a widespread trend towards articles, websites and events that sexualise, objectify and dehumanise female students and women in general. I am talking about entire websites where across hundreds of articles about women not a single female name appears; they are replaced with “wenches”, “hoes”, “clunge”, “skank”, “sloppy seconds”, “pussy”, “tramp”, “chick”, “bird”, “milf”, “slut” and “gash”. They are part of a growing culture in which the sexual targeting of female students as “prey” is actively encouraged, even when it verges on rape and sexual assault. It is an atmosphere in which victims are silenced and perpetrators encouraged to see crimes as merely ‘banter’ – just part of ‘being a lad’.

Versuchen wir diesen Abschnitt doch einmal nach dem zuvor besprochenen Prinzip aufzuschlüsseln:

Prämisse = Eine nicht näher bestimmte Anzahl an Webseiten und Artikeln bezeichnet Frauen mit herabwürdigenden Begriffen. [Einzelbeobachtungen]

Konklusion 1 = Es gibt einen Trend zu Webseiten, Artikeln und Vorkommnissen, bei denen Frauen sexualisiert, objektifiziert und entwürdigt werden.

Konklusion 2 = Es gibt eine wachsende Kultur, in der dazu ermutigt wird Frauen als „sexuelle Beute“ ins Visier zu nehmen.

Konklusion 3 = Es wird ein Klima erschaffen, in dem Opfer mundtot gemacht und Täter ermutigt werden ihre Verbrechen als Scherze anzusehen; als etwas was Kerle eben machen.

Aus einer Prämisse werden also drei verallgemeinerte Aussagen über den Zustand der Welt bzw. das „kulturelle Klima“ in Großbritannien abgeleitet. Diese induktiven Schlüsse können anschließend vom Leser anhand der Wahrscheinlichkeit der Korrektheit ihrer Konklusionen bewertet werden (vgl. Vertretbarkeit von Argumenten).

Wo aber bleibt die Überprüfung der Konklusionen in einem deduktiven Schlussverfahren durch die Autorin? Und welchen Wert haben die aufgestellten Verallgemeinerungen, wenn diese Überprüfung ausbleibt?

Es ist wichtig sich klar zu machen, dass es sich hierbei nicht nur um die Äußerung einer Meinung handelt. Die Autorin des Artikels macht eine faktische Aussage, welche entweder bestätigt oder widerlegt werden kann. Diese Aufgabe wird aber dem kritischen Leser selbst überlassen, während der naive Leser die ausschließlich durch Induktion erlangte und nicht geprüfte Theorie als bare Münze nimmt.

Ein Zyniker würde jetzt sagen: „Tja, so ist das eben und mehr kann man auch nicht erwarten. Den aufwändigen Weg der Deduktion wird kein professioneller Journalist gehen, geschweige denn ein Amateur auf seinem persönlichen Blog. Vor allem dann nicht, wenn eine korrekte Prüfung der Aussagen die hohe Wahrscheinlichkeit birgt, dass seine komplette Argumentation zusammenbricht.“

Vielleicht ist das so. Vielleicht kann man aber auch mehr verlangen.

Alternativ lässt sich eine persönliche, grundlegende Skepsis gegenüber faktischen Äußerungen entwickeln, wenn deren Autor nicht bereit oder dazu in der Lage ist, die von ihm aufgestellten Verallgemeinerungen in einem deduktiven Schlussverfahren zu prüfen.

Über Meinungen darüber, inwieweit ein solcher Standard für journalistische Inhalte angemessen ist, würde ich mich sehr freuen.

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8 Gedanken zu “Kritisches Denken 101: Induktion und Deduktion

  1. Danke für die guten Inhalte. Nachdem ich nun drei deiner Videos gesehen und deinen 101 kritisches Denken gelesen habe bin ich bisher sehr positiv Dir gegenüber eingestellt, da ich bisher nichts faktisch Falsches finden konnte.
    Deshalb möchte ich eine Idee zu diesem Artikel hier einreichen:

    Stützt man sich auf die Annahme Plato´s, dass die Ratio die Emotio zügelt, unter Kontrolle hält oder sogar kommandiert, dann kann ich deinem Fordern nach mehr wissenschaftlicher Methode in journalistischen und auch zum Teil privaten Blogs folgen und das ebenso unterschreiben. Geht man von einem vernünftigen Menschen aus würden z.B. soziale Umwälzungen dann mit weniger Widerstand vonstatten gehen, da die Logik und ergo die „Wahrheit“ hinter der Forderung nach Evolution oder sogar Revoultion steht. Da der Mensch hier aber vernünftig ist würde er der Wqahrheit ja nicht im Wege stehen. Oder wie Papst Gregor der Große es sagte:
    Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht.

    Was ist aber, wenn wir nicht Platos sondern David Hume´s Verständnis der Hierarchie von Gefühl und Verstand verwenden, dann sehen wir auf einmal die Vernunft als Sklaven der Gefühlswelt. Die Emotion entscheidet und die Vernunft begründet, um es auf den Punkt zu bringen.

    Meiner Meinung nach stimmt Beides. Es varriert nur von Mensch zu Mensch wann was von Beidem Anwendung findet. Ich stell jetzt einfach mal folgende These auf:

    Gerade in politischen und sozialwissenschaftlichen Diskussionen werden wir vor allem dann eher gehässige Auseinandersetzungen treffen, wenn wir den Vertreter der einen Gattung zur Linken und einen Kontrahenten der diametral anderen Auffassung zur Rechten finden.

    Ich gebe Dir natürlich dahingehend Recht, dass die empirische Methode schlussendlich deutlich mehr der Wahrheitsfindung im akademischen Sinne dient, aber was ich konkret sagen möchte ist, dass in diesem Phänomen sozialkritischer Auseinandersetzungen auf Youtube, bei welcher Du ja im deutschsprachigen Raum eingestiegen bist, ein Phänomen verstärkt zu Tage tritt, dass ich jetzt mal spontan „gefühlte Wahrheit“ nenne, und dass ich vor allem bei Verfechtern feministischer Positionen wiederfinde.

    Vielleicht ist innerhalb eines solchen Diskurses der Weg einer wissenschaftlichen Debatte in welcher man versucht mit Argumenten in einem konkreten Diskurs zu überzeugen der Falsche. Dieser Weg zielt ja vor allem auf die Vernunft. Da diese aber oftmals nur Diener anstelle von Kommandeur zu sein scheint, wäre es da nicht besser Botschaften an die „gefühlte Wahrheit“ zu schicken?

    Was ist deine Meinung dazu?

    Viele Grüße,

    TrAsH

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  2. Woran siehst du, ob eine Deduktion für die Meinungsbildung stattgefunden hat?
    Ist es nicht vielmehr so, dass eine Meinung sich genau nach dem Prinzip bildet und wenn man dann von seiner These überzeugt ist, vielleicht einen Artikel darüber schreibe?
    Anhand dessen ist doch meist die Bildung der Meinung nicht nachvollziehbar, da man nur das Ergebnis des vorausgegangen Prozess beschreibt.

    Wenn nun jemand irgendwo darüber schreibt, dass alle Vögel fliegen können, dann ist es ja möglich, in einfach zu widerlegen indem man auf den Strauß verweist. Aber stattdessen kommen dann tausend Kommentare, dass man da ja nicht so allgemein sagen kann und dass diese Meinung nicht wissenschaftlich logisch festgestellt wurde…
    So argumentiert man doch nur, wenn man selbst den Strauß nicht kennt.

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    • Woran siehst du, ob eine Deduktion für die Meinungsbildung stattgefunden hat?

      Dass sieht man daran, ob ein Autor seine Meinung mit entsprechenden empirischen Belegen stützt. In meinem Post habe ich ja das Beispiel aus dem Independent Artikel aufgegriffen und versucht die möglichen Konklusionen darzulegen. Aufgabe des Autors wäre es jetzt gewesen, diese Konklusionen mit Belegen zu stützen, was jedoch nicht passiert ist. Stattdessen bleibt die aufgestellte „Theorie“ im Raum stehen und der naive Leser vermutet jetzt vielleicht, dass das bereits der Prozess der Wahrheitsfindung war. Natürlich könnte der Leser jetzt auch selbst die Deduktion vornehmen und die aufgestellte Theorie prüfen. Ich plädiere aber hier dafür, dass das die Aufgabe des Autors sein sollte.

      Man stelle sich vor, in der Wissenschaft würde es genauso ablaufen. Ein Wissenschaftler stellt über die Induktion eine Theorie auf und dann müssen andere Wissenschaftler daherkommen und die entsprechenden Experimente durchführen, um mit empirischen Daten die aufgestellte Theorie des anderen Wissenschaftslers zu validieren oder zu falsifizieren. So ein System würde niemals funktionieren und würde permanent falsche Theorien erzeugen.

      Und ich erwarte nicht einmal, dass Journalisten etc. eigene Experimente durchführen, um ihre Theorien zu belegen. Es geht nur darum, dass sie die bereits *vorhandenen* empirischen Daten und Studien nutzen, um die eigenen aufgestellten Theorien zu belegen und diese dann so transparent wie möglich darzustellen (Quellenverweise, Links auf Studien und so weiter).

      Ist es nicht vielmehr so, dass eine Meinung sich genau nach dem Prinzip bildet und wenn man dann von seiner These überzeugt ist, vielleicht einen Artikel darüber schreibe?
      Anhand dessen ist doch meist die Bildung der Meinung nicht nachvollziehbar, da man nur das Ergebnis des vorausgegangen Prozess beschreibt.

      Und genau das ist mein Problem mit dem Prozess. 😉 Die Meinung sollte sich erst bilden, wenn man den induktiven UND deduktiven Prozess abgeschlossen hat. Man kann natürlich unabhängig davon induktive Hypothesen aufstellen und diese dann zur Diskussion stellen. Das sollte aber entsprechend gekennzeichnet werden und nicht als Wahrheit verkauft werden.

      Wenn nun jemand irgendwo darüber schreibt, dass alle Vögel fliegen können, dann ist es ja möglich, in einfach zu widerlegen indem man auf den Strauß verweist. Aber stattdessen kommen dann tausend Kommentare, dass man da ja nicht so allgemein sagen kann und dass diese Meinung nicht wissenschaftlich logisch festgestellt wurde…

      Hier kann ich leider nicht so ganz nachvollziehen worauf du hinaus möchtest. Willst du damit sagen, dass Leute in den Kommentaren versuchen die aufgestellten Konklusionen der Autoren schlecht zu reden, obwohl die Aussagen korrekt sind? Menschen, die versuchen das Thema zu verwässern oder sogar zu vergiften gibt es immer. Im Angesicht der Fakten haben diese Personen aber keine Chance den Diskurs zu gewinnen. Wenn ich eine Studie zitiere, in der klar nachgewiesen wird, dass der Strauß ein Vogel ist und der auch nicht fliegen kann, dann habe ich die Oberhand im Diskurs. Und diese kann mir nur weggenommen werden, wenn jemand anderes daherkommt und Studien/Daten präsentiert, die mit dem gleichen wissenschaftlichen Standard erhoben wurden und das genaue Gegenteil beweisen. Bis zu diesem Fall können noch so viele tausend Kommentare davon reden, dass das alles ja nicht stimmen könne… sie sind im Unrecht, wenn sie keine Beweisführung auf dem gleichen wissenschaftlichen Standard erbringen können.

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  3. Danke für Deine lehrreiche Einführung in die Schlußweisen Induktion und Deduktion!

    Besonders wichtig scheint mir Dein Punkt: nach der Induktion Überprüfung der gewonnenen Konklusion(en) in einem deduktiven Schlussverfahren, danach ggf. Revision der vorherigen Induktion.

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  4. Erstmal vielen Dank für deinen Artikel. So dargestellt, sind die Prinizpien der Induktion und Deduktion einfach zu verstehen – und es wird offentsichtlich, dass sehr viele „Tatsachen“ letztlich auf Induktion beruhen und nicht geprüft werden.

    Gerade bei politischen Aktivisten ist mMn aber noch eine andere Vorgehensweise zu beobachten. Analog zu dem Vogelbeispiel:

    Prämisse = Alle Vögel können fliegen. [Aufgestellte Gesetzmäßigkeit]

    Konklusion/Prognose = Der Strauß ist ein Vogel und kann daher fliegen.

    Empirische Einzelbeobachtung: Der Strauß kann nicht fliegen.

    Neue Prämisse: Der Strauß ist kein Vogel.

    Ein simples Beispiel aus der Realität dazu wäre:

    Prämisse: In den USA werden alle Afro-Amerikaner diskriminiert.

    Empirische Einzelbeobachtung: Barack Obama ist Präsident der USA.

    Neue Prämisse: Barack Obama ist kein „richtiger“ Afro-Amerikaner.

    Worauf ich letztlich hinaus will, ist das im politischen Aktivismus einfache Botschaften (Prämissen) wichtig sind. Eine zu komplexe Betrachtung der Realität ist zur Empörung ungeeignet und polarisiert nicht so sehr wie eine einfache. Beim Beispiel der Afro-Amerikaner werden daher auch in deutschen Medien nur sehr selten die komplexen Zusammenhänge zwischen der Ghettoisierung, dem sozialen Status, der Kriminalitätsrate und dem resultierenden sozialen Status thematisiert. Lieber wird der status-quo soweit vereinfacht, dass alle Probleme, die jeder Afro-Amerikaner jemals hatte, auf Rassismus zurückzuführen sind – womit wieder ein einfache Botschaft zustande kommt.

    Das Gleiche lässt sich zum Beispiel beim Thema Gender Pay Gap beobachten.

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    • Dein Beispiel zeigt sehr schön, wie man zu einer völlig abwegigen Konklusion kommen kann, die die Realität ignoriert. Wenn dann keine entsprechende Prüfung folgt, dann behält man diese absurde „Theorie“ und kommt dann auf die nächste falsche Konklusion, die auch wieder nicht geprüft wird. Und so weiter und so fort.

      Dieses Muster fällt mir auch immer wieder auf, wenn ich Veröffentlichungen aus der „feministischen Wissenschaft“ lese (siehe mein Post zur Toxic Masculinity).

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  5. Das (selbst-)kritische Denken ist sicherlich ein erstrebenswertes Ideal, von daher volle Zustiummung zu dem Text.

    Speziell in der Geschlechterdebatte geht er leider komplett an dem Problem vorbei. Symptomatisch ist eine ausnahmsweise gut dokumentierte Episode, wo sich eine bekannte Frauenbeauftragte als mathematischer Analphabet outete, s. http://stefanolix.wordpress.com/2014/11/20/frauenbeauftragte-und-statistik

    Mathematisches Analphabetentum ist unter feministischen Aktivist(inn)en nach meinem Eindruck weit verbreitet, sonst würden nicht so viele den haarsträubenden Unsinn über das GPG immer und andere Themen wieder neu verbreiten, ohne rot zu werden (ein Teil der Aktivisten weiß es besser und lügt schamlos, die sind nach meinem Eindruck aber die Minderheit). Diese Personengruppe studiert dann typischerweise Literaturwissenschaft, Soziale Arbeit o.ä. und ist völlig außerstande, jemals einen Begriff wie Standardabweichung oder das Simpson-Paradox zu verstehen. Die Mädelz/Damen denken rein künstlerisch oder emotional, man kennt sich in genau diesen Denkkategorien aus und weigert sich, andere „männliche“ Denkweisen zu übernehmen. Ich habe relativ viel Nachhilfe in Mathematik gegeben, da erkennt man ziemlich ein wiederkehrendes Muster: komplettes Desinteresse an mathematischen, präzisen Denkweise gepaart mit fehlendem Talent, aber Panik vor den Klausuren, die zu hektischen Büffeln führt und zusammen mit ostentativ gezeigtem guten Willen bei den Lehrern dazu führt, sich irgendwie mit einer 3 oder 4 in Mathe durchs Abitur zu schummeln.

    Verstärkt wird dieses Problem durch die üblichen feministischen Propagandatechniken, die Sachprobleme emotionalisieren, indem sie auf einzelne krasse Beispiele reduziert werden. Propagandatechniken zielen gerade darauf, rationales Denken auszuschalten.

    Appelle an kritisches Denken sind bei dieser Klientel – und die ist mMn dominierend – völlig sinnlos.

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    • Appelle an kritisches Denken sind bei dieser Klientel – und die ist mMn dominierend – völlig sinnlos.

      Wenn die besagten Personen schon zu tief im Kaninchenbau stecken, dann stimme ich dir da vollkommen zu. Immer wieder lese ich jedoch die gleichen logischen Denkfehler von Personen heraus, die bei anderen Themen urplötzlich wieder eine völlig nachvollziehbare und kritische Denkweise an den Tag legen. Als ob beim Thema Feminismus oder verwandten Themen ein Schalter im Kopf umgelegt wird.

      Das kann natürlich Kalkül oder unterbewusste Ignoranz sein, weil man sich ja beim Feminismus „für was gutes“ einsetzt und deshalb nicht so genau hinschauen braucht. Daraus speist sich vermutlich der Hauptanteil meiner Frustration mit diesen Leuten.

      Ein anderer Punkt ist natürlich, dass vor allem der Leser ein kritisches „Mindset“ entwickeln und dann an den Tag legen sollte. Induktion und Deduktion nach dem Wissenschaftsprinzip sind da durchaus hilfreiche Mittel, um zu beurteilen wie valide die Argumentation eines Artikels ist. Auch wenn der Autor nicht explizit diesem Muster folgt, sieht man doch ob er sich eine verallgemeinerte Aussage einfach aus dem Allerwertesten gezogen hat oder ob er eine Prüfung dieser Aussage zumindest versucht und dem Leser anbietet.

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